Teilchenbeschleuniger LHC
Weißbrot legt Urknallmaschine lahm

Ein Vogel könnte eine der größten wissenschaftlichen Anlagen der Welt lahmgelegt haben: Ein Stück Baguette, das in eines der oberirdischen Teile des Large Hadron Collider gefallen war, hat zu einem Problem im Kühlsystem und damit zu einer Überhitzung im Teilchenbeschleuniger geführt.
  • 1

BERLIN. Die Pannenserie beim Large Hadron Collider (LHC) reißt nicht ab: Erneut musste der Teilchenbeschleuniger abgeschaltet werden. Schuld war ein Problem im Kühlsystem, das die Temperatur in den supraleitenden Magneten des LHC ansteigen ließ.

Die CERN-Techniker staunten nicht schlecht, als sie der Ursache des Problems auf den Grund gingen: In einer der oberirdischen Anlagen des LHC fanden sie ein Stück Baguette, das auf einer Stromschiene lag, sagte ein CERN-Mitarbeiter dem britischen Nachrichtenangebot Register. Es hatte einen Teil der Stromversorgung für das Kühlsystem außer Kraft gesetzt. Register war nach eigenen Angaben von Lesern auf den Temperaturanstieg in einem LHC-Sektor aufmerksam gemacht worden. Diese Daten sind im Internet abrufbar.

Die Wissenschaftler rätseln noch, wie das Stück Weißbrot in das Kühlsystem gelangen konnte. „Keiner weiß, wie es dahingekommen ist“, sagte eine CERN-Sprecherin der britischen Tageszeitung Times. „Die wahrscheinlichste Möglichkeit ist, dass ein Vogel es hat fallen lassen oder dass es aus einem Flugzeug geworfen wurde.“

Überhitzung ist beim LHC allerdings relativ: Die gestiegenen Temperaturen betrugen knapp 8 Kelvin – das sind etwa minus 265 Grad Celsius. Normal sind 1,9 Kelvin, also minus 271 Grad Celsius. Werden die Magnete zu warm, verlieren sie ihre supraleitenden Eigenschaften. Das kann zwischen 9 und 10 Kelvin passieren. Inzwischen ist die Temperatur wieder bei 1,9 Kelvin.

Der Anfang September 2008 in Betrieb genommene LHC ist der derzeit leistungsfähigste Teilchenbeschleuniger der Welt. Kurz nach der Inbetriebnahme hatte jedoch ein Zwischenfall die Anlage schwer beschädigt. Im Zuge der einjährigen Reparaturarbeiten wurde auch ein Sicherheitssystem installiert, das künftig Schäden wie den aus dem letzten Jahr verhindern soll. Im Interview mit dem Handelsblatt sagte CERN-Chef Rolf Dieter Heuer aber kürzlich, dass „immer die Gefahr eines vergleichsweise trivialen Problems, das uns zurückwirft“, bestehe.

Am 30. Oktober 2009 sind plangemäß die ersten Teilchenstrahlen durch die 27 Kilometer lange unterirdische Röhre unter dem französisch-schweizerischen Grenzgebiet bei Genf geschickt worden. Die ersten Kollisionen sollen im Laufe dieses Monats stattfinden. Von den Experimenten erhoffen sich die Forscher Antworten auf grundlegende Fragen der Teilchenphysik sowie Erkenntnisse über den Aufbau des Univerums.

Kommentare zu " Teilchenbeschleuniger LHC: Weißbrot legt Urknallmaschine lahm"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hier unter News wird der Vorfall erklärt. Anscheindend war die Erwärmung der Magnete nichts unvorhergesehenes, sondern wurde durch ein Sicherheitssystem eingeleitet.

    http://www.lhc-facts.ch

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%