Teilchenbeschleuniger
Mit „Petra“ ins Herz der Materie blicken

In Hamburg nimmt am heutigen Montag der Teilchenbeschleuniger Petra III seine Arbeit auf. Die weltbeste Synchrotronstrahlungsquelle soll Wissenschaftlern bessere Einblicke ins Herz der Materie eröffnen – und so die Entwicklung neuer Nano- und Biomaterialien ermöglichen.
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HAMBURG. Der Anlauf ist lang, die Objekte der Begierde winzig. Im 2300 Meter langen Teilchenbeschleuniger Petra III können Wissenschaftler jetzt besser in das Herz der Materie gucken als je zuvor. 225 Mio. Euro hat der Umbau des Speicherring gekostet, zur Eröffnung der Anlage am Deutschen Elektron Synchrotron (DESY) in Hamburg an diesem Montag hat sich Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) angekündigt.

„Petra III ist die weltbeste Synchrotronstrahlungsquelle ihrer Art“, sagt der Vorsitzende des Desy-Direktoriums, Helmut Dosch. „Wissenschaftler aus den unterschiedlichsten Disziplinen werden mit Hilfe der hochenergetischen und haarfeinen Röntgenstrahlen gestochen scharfe Bilder von Nano- und Biomaterialien erhalten. Damit schaffen wir die Voraussetzung für die Medikamente und Hochleistungsmaterialien von morgen.“

Der Teilchenbeschleuniger heißt mit vollem Namen Positron-Elektron-Tandem-Ring-Anlage und ist eigentlich schon ein Veteran der Forschung. 1978 starteten Wissenschaftler an der Ur-Petra, die damals der größte unterirdische Speicherring seiner Art war und konnten bereits ein Jahr später eine Sensation melden: Das Gluon - Trägerteilchen der Kernkraft und damit gewissermaßen der Klebstoff der Atomkernbausteine - war erstmals zu beobachten.

Eigentlich geht es darum, kleinste Strukturen der Materie sichtbar zu machen. Weil dem menschlichen Auge mit Hilfe des sichtbaren Lichts auch mit einem Mikroskop Grenzen gesetzt sind, bedienen sich Forscher der Röntgenstrahlung. Petra III schafft es, besonders scharf gebündeltes, helles Röntgenlicht zu erzeugen, Physiker sprechen von höchster Brillanz (Leuchtdichte). Das liefert Petra III in ihrem Segment besser als irgend eine andere bestehende Anlage.

Biologen können damit die Anordnung der Atome von Proteinen betrachten, Materialforscher ihre neuen Nanomaterialien bis ins letzte Detail analysieren. Solche Erkenntnisse helfen im besten Fall bei der Entwicklung neuer Materialien oder medizinischer Wirkstoffe.

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  • Für knapp 230 Mio € hätte man viele Schulen bauen können...das ist die traurige aber wahre Wirklichkeit...

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