Telemedizin steckt noch in den Kinderschuhen
Ärzte bieten Ferndiagnose per Handy

Die Telemedizin könnte vielen chronischen Kranken das Leben erleichtern. Sie bräuchten nicht mehr ständig zu ihrem Arzt zu laufen, sondern würden per Telefon betreut. Es gibt zwar erste Angebote für Herzkranke, doch die sind noch recht teuer und müssen von den Patienten selbst bezahlt werden.

BERLIN. Ideen für die telemedizinische Betreuung von Patienten gibt es viele, doch nur wenige haben sich bislang durchgesetzt. „Der Hauptgrund dafür liegt in der Kurzsichtigkeit der Kostenträger“, sagt Chris Cherrington, Branchenanalyst bei Frost & Sullivan, der den Markt für die Patientenüberwachung in Europa unter die Lupe genommen hat. „Erst wenn eine kritische Masse von Patienten den Beweis für die Effizienz der Telemedizin erbracht hat, ist die Zukunft der Technik gesichert.“

Positiv könnten sich hier telemedizinische Dienstleistungen auswirken, wie sie zur Zeit unter anderem von Philips in Deutschland und Italien angeboten werden. Im Philips HeartCare Telemedicine Services- Center (PHTS) werden Herzpatienten per Telefon rund um die Uhr betreut. Ärzte nehmen besorgte Anrufe entgegen und analysieren EKG- Werte, die die Patienten mit einem mobilen EKG-Gerät aufgezeichnet und an das Center geschickt haben.

Ärzte im Service-Center sind 24 Stunden im Einsatz

„Wir behandeln nicht, prüfen aber Tag und Nacht bei Bedarf die Herztätigkeit, leiten die nötigen Schritte ein und übermitteln die Patientendaten an die behandelnden Ärzte“, sagt Harald Korb, medizinischer Leiter des PHTS. „Wir ersetzen nicht den Arzt, aber wir sorgen dafür, dass wertvolle Zeit gewonnen wird. Wir verstehen uns als Dienstleister für Ärzte und Patienten.“

GPS-Ortung garantiert im Notfall schnelle Hilfe

Die EKG-Geräte der Kunden sind so einfach wie möglich zu bedienen, so dass jederzeit ein EKG gemacht werden kann. Etwa auch unterwegs mit in einer Brieftasche integrierten Elektroden, die nur noch in Herznähe angedrückt werden müssen, um die Aufzeichnung zu starten. Diese Daten werden in Töne umgewandelt, die per Handy oder Telefon an das PHTS übertragen und dort wieder in die Ausgangsdaten zurück geführt werden. Dann wird das aktuelle EKG computergestützt ausgewertet und mit der Patientenhistorie abgeglichen.

Noch einfacher geht es mit dem Herz Handy der Mannheimer Firma Vitaphone GmbH. Es funktioniert wie ein normales Mobiltelefon, verfügt aber auf der Rückseite über Elektroden, mit denen das EKG direkt aufgezeichnet und übermittelt wird. Im Notfall kann der Aufenthaltsort des Nutzers per Satellitenortung (GPS) auf 15 Meter genau festgestellt werden. Die Daten gehen auch hier bei einem 24-Stunden-Service-Center ein, in dem Ärzte dann mit Rat und Tat weiterhelfen.

Vitaphone bietet diesen Dienst seit Herbst 2001 an, hat aber bislang nur rund 500 zahlende Kunden gewinnen können. Um die Zahl der Kunden zu vergrößern, plant das Unternehmen den Telemedizin- Service für weitere Zielgruppen interessant zu machen und will künftig auch Diabetes- und Kreislaufpatienten betreuen, die ihre Blutdruck- und Blutzuckerwerte ebenfalls per Handy an das Service-Center übertragen und um Rat nachfragen können.

Schneller gesund durch permanente Betreuung

„Die Telemedizin wird ein zukunftsweisender und wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung sein, aber eben nicht in allen Bereichen“, sagt Gesundheitsökonom Peter-Alexander Möller, Mitbegründer der Ethikgruppe 21, die sich in Deutschland mit Zukunftsfragen der Medizin auseinandersetzt. Nützlich sei die Technik vor allem für die Betreuung chronisch Kranker und Behinderter. Ob sich mit Telemedizin im Gesundheitswesen Kosten drücken lassen, ist jedoch umstritten: „Bei einer Maximalversorgung sicher nicht", merkt Möller an. Mediziner Korb dagegen zitiert Studien, nach denen durch eine permanente mediale Betreuung Genesungszeiten deutlich verringert werden konnten und der Heilungserfolg besser war. Auch das Nürnberger Unternehmen EvoCare-Systems spricht von effizienteren Therapien bei neurologischen, kardiologischen und orthopädischen Erkrankungen. Bei den Systemen der Firma wird der Therapeut in Reha-Kliniken teilweise durch Anweisungen vom Computerbildschirm ersetzt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%