Terrorismus
Ein Detektor für den Tod

Pest, Milzbrand, Pocken, Ebola - die Liste möglicher Biowaffen ist lang. Werden sie eingesetzt, etwa von Terroristen, kommt es vor allem darauf an, die Erreger möglichst rasch zu identifizieren. Forscher in Europa und den Vereinigten Staaten arbeiten deshalb verstärkt an neuen Erkennungsmethoden für biologische Kampfstoffe.
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DÜSSELDORF. Fahle, entschlossene Züge unter wirrem Haar, darüber ein roten Stoffs, ein verwegenes Haarband wie ein Guerillero: Wer Arnold Böcklins Gemälde „Die Pest“ betrachtet, könnte meinen, vor einem Gleichnis künftiger Schrecken zu stehen. Allzu sehr erinnert der reitende Tod an das Zerrbild eines zeitgenössischen Untergrundkämpfers, an einen aus der Schar der Selbstmörder, die angeblich schon bereitstehen, um die westliche Welt ins Verderben zu stürzen. Und dann streut er auch noch den Pesterreger Yersinia pestis aus seinen Satteltaschen.

„Pestbakterien gehören zu den Erregern, die wir als potenzielle Biowaffen aus der Hand von Terroristen in Betracht ziehen müssen“, sagt Walter Biederbick, kommissarischer Leiter des Zentrums für biologische Sicherheit am Robert-Koch-Institut. „Insgesamt haben wir da etwa zehn Hauptverdächtige.“ Ob bei den US-Gesundheitsbehörden, im EU-Kommissariat, bei der Nato oder den bundesdeutschen Behörden, die sich im Staatsauftrag gegen Bioterror wappnen sollen, es tauchen immer dieselben Biowaffen-Kandidaten auf: Neben der Pest stehen die Erreger von Hasenpest und Milzbrand auf den Listen, außerdem Pockenviren und Viren, die wie Ebola zu den tückischen und hochansteckenden Erregern der hämorrhagischen Fieber gehören.

Zusätzlich tauchen auf den Listen Gifte biologischen Ursprungs unter anderem auf: das nervenlähmende Toxin der Botulinus-Bakterien und Rizin, das Gift der Rizinusbohne, gegen das es bislang kein Gegenmittel gibt. „Eine mögliche B-Waffe ist jedes Agens, das Menschen töten oder schwer krank machen kann und sich leicht verbreiten lässt“, erklärt Biederbick. „Wenn es dann noch in einem gewissen Rahmen verfügbar ist, kommt es auf diese Listen.“

Seit den echten und vermeintlichen Milzbrandbriefen, die bald nach den Anschlägen vom 11. September 2001 auf zahlreichen Schreibtischen in den Vereinigten Staaten landeten, bereiten sich die westlichen Länder systematisch auf den Bioterror vor. Es geht um effektivere Medikamente und um Rechenmodelle, die vorhersagen sollen, welchen Weg die Seuche über den Erdball nehmen könnte, um sie rechtzeitig mit effektiven Schranken zu belegen. Und es geht vor allem darum, wie man die Gefahr erkennt, bevor sie Schaden anrichtet, um ein „biologisches Radar“ also.

Auch die Infektionsspezialisten am Robert-Koch-Institut beteiligen sich an dieser Suche. Sie suchen nach einem Weg, Bakterien, Viren und Gifte innerhalb von Minuten zu identifizieren, ohne erst Proben in einem Labor aufarbeiten zu müssen. Mit der herkömmlichen Methode – erst die Erreger und dann ihre DNA zu vervielfältigen, um ihren genetischen Fingerabdruck zu untersuchen – vergehen Stunden oder Tage, bis der Übeltäter identifiziert ist. „Das ist Zeit, die wir bei einem Terroranschlag nicht haben“, sagt Biederbick. „Zeit, in der sich ein Erreger ungehindert ausbreiten könnte. Wir konstruieren jetzt einen Mikro-Chip mit einem biologischen Fühler, der gefährliche Spezies innerhalb von Minuten identifiziert.“

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