Tesa
Klebebänder aus dem Reinraum

Für den Klebebandhersteller Tesa sind die Zeiten nicht gerade rosig. Die Probleme in der Automobilindustrie treffen den Zulieferer heftig. Jetzt investiert das Unternehmen in hochreine Produktion und hofft auf Kunden aus der Medizin- und Elektronikindustrie.

HAMBURG. Thomas Schlegel lässt sich nicht entmutigen. Der Tesa-Chef hält gerade angesichts der aktuellen Probleme an der mittleren zweistelligen Millioneninvestition in neue Geschäftsfelder und Technologien pro Jahr fest, um weitere Märkte zu erobern. Seine Zukunftsstrategie: Eine äußerst präzise Beschichtung soll dem Klebeband zusätzliche Funktionen wie die Abgabe medizinischer Wirkstoffe, die Durchleitung von Licht oder elektronische Leitfähigkeit ermöglichen – und es damit zu einem „intelligenten“ Produkt machen.

Kern der Technologieoffensive ist eine Reinraum-Produktion, die derzeit am Stammsitz Hamburg in Betrieb genommen wird und das Unternehmen in den nächsten Jahren an die Innovationsspitze führen soll. „Das Investment ist langfristig orientiert“, sagt Joachim Suesse, in der Tesa-Geschäftsleitung für den medizinischen Bereich verantwortlich, der besonders profitieren will. „Erste Produkte sehen wir in größeren Mengen ab dem Jahr 2011“, sagt der Manager.

Die neue Produktionsanlage lassen sich die Hamburger gut 18 Mio. Euro kosten. „Mit dem Reinraum wagen wir den Sprung in die Hochpräzision“, sagt Projektleiter Ralf Hirsch. Konkret heißt das: Die Produktionsumgebung ist 1 000-mal sauberer als Gebirgsluft. Alle Prozessschritte werden akribisch überwacht und dokumentiert. Die Mitarbeiter sind speziell für die Arbeit in der klinischen Umgebung geschult: Der Mensch ist als Partikelquelle eine akute Gefahr für die Sauberkeit. Im durch Schleusen abgetrennten Reinraumbereich befinden sich deshalb eigene Materialläger.

Die neue Präzision soll das krisengeschüttelte Unternehmen als Ganzes voranbringen. „Wir rechnen mit einem Abstrahleffekt auch auf unsere Standardprozesse“, sagt Hirsch. Innovationen und Spezialprodukte für das Industriegeschäft weltweit werden von gut 400 Mitarbeitern ausschließlich in Hamburg gefertigt.

Bereits seit Juni fabriziert Hirschs Pilotteam erste Kundenmuster, in diesen Tagen startet die Produktion. Geholfen bei der Entwicklung haben Forschungskollegen der Konzernmutter Beiersdorf mit der Hautkompetenz der Nivea-Herstellerin. Suesse schätzt den Gesamtmarkt für in der Medizin eingesetzte Klebebänder, Pflaster und im Mund lösliche Filme, die pharmazeutische Wirkstoffe abgeben, auf eine Milliarde Euro. Für Tesa rechnet sich Suesse einen Marktanteil von vier bis fünf Prozent aus, also 50 Mio. Euro pro Jahr. Das muss nicht das Ende der Fahnenstange sein. Der Markt dürfte Schätzungen zufolge jährlich um drei bis fünf Prozent zulegen.

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