Testfahrt mit dem Schnellzug AGV
Warum „Pegasus“ keine 360 schafft

Alstom tritt mit seinem Schnellzug AGV gegen den ICE 3 von Siemens an – der mit einem Achsschaden für Schlagzeilen sorgt. Eine nächtliche Testfahrt durch Frankreich.

REIMS. Der Mond verbirgt sich hinter den Wolken und taucht den Bahnhof Champagne-Ardenne in ein milchig-blasses Licht. Ein einziger Zug steht im ansonsten leeren Bahnhof: Alstoms AGV (Automotrice à Grande Vitesse), der Prototyp von Frankreichs neuem Schnellzug. Optisch fällt sofort die markante Zugspitze des silber-grauen Zuges auf: Der AGV hat ein markantes Kinn, das er kräftig nach vorne reckt.

„Das sieht nicht nur gut aus, sondern dient auch der Sicherheit, so haben wir 2,4 Meter Knautschzone“ erklärt Laurent Baron. Der Ingenieur mit dem markanten Vollbart ist der Chef des AGV-Programms bei Alstom. Und weil ein schöner Zug auch einen schönen Namen braucht, haben die Alstom-Macher ihren ersten AGV „Pegasus“ getauft.

Vor dem Beginn der nächtlichen Testfahrten auf der Schnellbahn-Trasse Richtung Strasbourg schreitet Baron seinen Zug noch einmal ab. Nervös wirkt der hochgewachsene Mann nicht. Dabei sieht das Testprogramm für diese Nacht eine Premiere vor: „Wir werden heut zum ersten Mal mit dem Zug 360 Km/h fahren“, erklärt er. Mit dieser Geschwindigkeit soll der AGV einmal normale Reisende transportieren. Heute Nacht wollen die Alstom-Entwickler wissen, wie sich ihr Pegasus bei dem Tempo verhält. 4000 Sensoren messen daher jede seiner Bewegungen, jedes Geräusche und das kleinste Detail des Fahrverhaltens.

Mit dem AGV wollen die Franzosen eine neue Runde im technischen Wettlauf um den besten Schnellzug einläuten. Hauptgegner ist Siemens und sein ICE 3, der im Export unter dem Namen „Velaro“ verkauft wird. Der Velaro ging bereits nach Spanien, China und Russland. Zuletzt orderte die Deutsche Bahn 15 ICE-Züge im Wert von 500 Mio. Euro. Alstom hat seinen AGV dagegen bereits verkauft, bevor der Zug überhaupt rollte: Der italienische private Bahnbetreiber NTV orderte 25 Züge für 650 Mio. Euro plus eine Option für weitere zehn Züge.

Doch Siemens Velaro und Alstoms AGV haben beide ein Problem: Es gibt bisher auf der Welt kaum Bahnstrecken, die eine Reisegeschwindigkeit von 360 km/h erlauben. Die neue Schnellbahntrasse im Osten von Paris Richtung Strasbourg ist eine davon. In Spanien soll Siemens Velaro eigentlich auch mit 350 km/h durch’s Land brausen – derzeit fährt der Zug aber nur mit 300 km/h. Dennoch nimmt das Duell Siemens-Alstom nimmt Fahrt auf: die nächsten konkreten Ausschreibungen erwarten Experten in Frankreich, Portugal und Italien, wo die Staatsbahn FS auf ihren Schnellfahrtstrecken gegen den Privatbetreiber NTV antreten will. Kalifornien will Schnellbahntrassen bauen, doch die Vorbereitungen stecken in den Kinderschuhen. Auch wenn „Gouvernator“ Arnold Schwarzenegger in Frankreich schon den TGV testgefahren ist. Mit Spannung blickt die Branche nach China, wo ein Ausbau des Schnellbahnnetzes geplant ist.

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