Textilindustrie setzt verstärkt auf Kleidung mit medizinisch-hygienischem Nutzen
Intelligenter Strampler warnt vor plötzlichem Kindstod

Jährlich sterben in Deutschland etwa 500 Säuglinge am plötzlichen Kindstod. Die Ursachen sind bisher kaum geklärt – er ereignet sich meist während des Schlafs und trifft vor allem Babys im ersten Lebensjahr. Eine rechtzeitige Alarmierung der Eltern könnte solche Todesfälle verhindern. Doch eine Überwachung der Kinder war bisher nur mit aufwendigen Apparaten und umständlichen Befestigungsgurten für die Sensoren möglich.

HB DÜSSELDORF. Der am Institut für Textil- und Verfahrenstechnik Denkendorf (ITV) entwickelte Sensor-Baby-Body soll Eltern künftig ruhiger schlafen lassen. In normaler Säuglingswäsche angebrachte Sensoren überwachen permanent Herzschlag, Atmung, Körpertemperatur und Körperfeuchtigkeit. Die elastischen Messinstrumente sind im Brustbereich so befestigt, dass sie das Kind nicht stören. Die Sensoren lassen sich an einen Computer anschließen, auf dem ein Überwachungsprogramm installiert ist, das bei Abweichungen von vorgegebenen Sollwerten Alarm ausgelöst.

„Herausgekommen ist ein kostengünstiges Überwachungssystem, das mit einem Minimum an technischem und pflegerischem Aufwand funktioniert“, berichtete Instituts-Direktor Heinrich Planck gestern bei der Präsentation in Frankfurt. Gefördert wurde das Projekt mit 170 000 Euro von der Stiftung Industrieforschung. „Für diese Innovation gibt es ein immenses Nutzen- und Marktpotenzial“, erklärte Stiftungsvorstand Wolfgang Lerch.

Die Neuheit aus Medizin, High-Tech und Textil ist keine Eintagsfliege. Gerade bei der Entwicklung pflegender und heilender High-Tech-Bekleidung haben Wissenschaftler und Textilindustrie in den vergangenen Jahre große Fortschritte gemacht. „Eines der innovationsstärksten Segmente unter den technischen Textilien sind diejenigen auf dem medizinisch-hygienischen Gebiet“, sagt Michael Jänecke, Direktor der Branchenmesse TechTextil, die dieses Jahr erstmals einen Schwerpunkt in der Medizin setzt.

Viele der intelligenten Kleidungsstücke sind nicht mehr nur Prototypen, sondern bereits im Handel erhältlich. So produziert und vertreibt das Unternehmen Texamed aus Gefrees in Oberfranken so genannte Silbertextilien. Das sind in einem Silberbad getränkte oder mit Silberfäden durchwebte Textilien, die Beschwerden von Neurodermitikern – das Entzünden der aufgekratzten Hautstellen – lindern. Klinische Studien belegen die Wirksamkeit. Einige Krankenkassen wie die Techniker Krankenkasse tragen bereits die Kosten für die Spezialkleider. „Texamed hat innerhalb von drei Jahren ein Hilfsmittel realisiert, das seinen Namen mit Fug und Recht verdient“, erklärt Jürgen Pfeifer, Geschäftsführer des Bundesverbands Neurodermitiskranker in Deutschland. Sonderanfertigungen, Übergrößen gehörten ebenso zum Repertoire wie Knie- und Ellbogenstulpen sowie Babywäsche.

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