The Big U

Ein grüner Schutzwall für Manhattan

Vor zwei Jahren setzte der Supersturm Sandy Teile von New York unter Wasser. Der Schutzwall „The Big U” soll künftig die Spitze der Insel Manhattan sichern – ein deutscher Auswanderer plant das gigantische Projekt.
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The Big U ist nicht nur als Schutzwall gedacht, er soll den New Yorkern auch mehr Grünflächen und Lebensraum geben.

The Big U ist nicht nur als Schutzwall gedacht, er soll den New Yorkern auch mehr Grünflächen und Lebensraum geben.

New YorkVor genau zwei Jahren stand Kai-Uwe Bergmann knietief im Wasser, wo sich sonst der Eingang zu seinem Wohngebäude im New Yorker Stadtteil Chelsea befand. Der Flur glich einem Pool, sein Apartment in den oberen Stockwerken war ohne Strom, draußen schwammen Autos, wo sonst eine Straße war. Der untere Teil Manhattans war geflutet, vor der New Yorker Börse häuften sich Sandsäcke, die Stadt war im Ausnahmezustand.

Sandy hatte in den letzten Oktobertagen 2012 gnadenlos zugeschlagen. Der Supersturm war mit einer Windstärke von gut 150 km/h auf die Insel zugerast, hatte Flutwellen und Brände ausgelöst und ganze Nachbarschaften platt gewalzt. Vor allem die Spitze Manhattans und die umliegenden Stadtteile in Wassernähe waren böse zugerichtet. Rund 20 Milliarden Dollar Schaden richtete Sandy allein in New York an.

Bergmann konnte zwei Wochen lang weder in die Wohnung noch in sein Büro ein paar Blocks entfernt. Jetzt soll er New York vor dem nächsten Sturm bewahren. Bergmann arbeitet für das dänische Architekturbüro BIG, das sich mit Stadtplanung, Forschung und Entwicklung beschäftigt. BIG, das vom jungen dänischen Architektenstar Bjarke Ingels gegründet wurde,  hat den Auftrag einen riesigen Schutzwall zu errichten, der die Spitze Manhattans künftig schützen soll. Der Name des Projekts: The Big U.

Manhattans grüner Sturmschutzwall
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Wo nach dem Orkan 2012 Wassermassen durch die Straßen flossen, soll künftig im Ernstfall alles trocken bleiben. Der Spatenstich für die erste Meile von "The Big U" ist für 2017 angekündigt.

Bilder: BIG

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Durch die steigende Erderwärmung nahmen die Orkane im Nordosten der USA in den vergangenen Jahrzehnten stetig zu. Die tropischen Stürme erreichen stellenweise eine Windgeschwindigkeit von über 180 km/h. Sturm Sandy raste Ende Oktober 2012 mit 150km/h auf New York zu und richtete auf der Insel und den angrenzenden Stadtteilen wie Staten Island und in Brooklyn verheerende Schäden an.

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Die Insel Manhattan war dem Wirbelsturm gnadenlos ausgeliefert: Wind und Wasser peitschten stundenlang durch die Straßen, gut 50 Prozent der Stadt waren akut gefährdet. Der damalige Bürgermeister Michael Bloomberg ordnete die Evakuierung von 375.000 Bewohnern in besonders kritischen Gegenden in Manhattan und Brooklyn an. Auch auf Long Island verließen die Menschen ihre Häuser. Das Leben der Millionenstadt stand nach Sandy fast still. In vielen Teilen der Stadt fiel tagelang der Strom aus, Wohnungen standen unter Wasser.

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Mit dem Wind kamen die Fluten: Sandy wirbelte durch New York und hinterließ allein im Stadtgebiet einen Schaden von über 20 Milliarden Dollar. Wassermassen drängten sich durch Lower Manhattan, Autos schwammen auf den Straßen, U-Bahnen und Fähren standen still. Die Aufräumarbeiten zogen sich über Wochen hinweg.

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Um die Wiederholung einer ähnlichen Katastrophe zu vermeiden, soll in den nächsten Jahren eine Schutzmauer um Manhattan gebaut werden. Ein acht Meilen (13 Kilometer) langes Flutschutz-System legt sich dann den Plänen von BIG nach als Puffer um die Insel. Die Regierung hatte knapp 60 Milliarden Dollar bereit gestellt – zum Wiederaufbau, aber auch zur Prävention.

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Den BIG-Plänen nach wird mit "The Big U" nicht nur ein Schutz sondern auch zusätzlicher Lebensraum für New York geschaffen. Das Projekt integriert Parkanlagen, Aussichtsplattformen, Wiesen und Sportplätze. Als Vorbild orientierte sich das Team an der Highline, der zum Park umgebauten stillgelegten Hochbahnstrecke im Westen Manhattans.

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Im Fall eines erneuten Wirbelsturmes sollen die heranpeitschenden Wassermassen von der drei bis 5 Meter hohen Wand abgehalten werden. Lower Manhattan würde so einer erneuten Überflutung entgehen, die Konsequenzen eines Sturmes sollen durch "The Big U" auf ein Minimum reduziert werden.

„Einen solchen Sturm und die Verwüstungen mitzuerleben, ist schlimm. Das Wissen, dass es jederzeit wieder passieren kann, toppt aber alles“, sagt der 45-Jährige in fließendem Deutsch. Im niedersächsischen Einbeck geboren, wanderte er als Sechsjähriger mit seinen Eltern in die USA aus.

Dass Sandy kein Einzelfall bleibt, ist mehr als wahrscheinlich. Die Frage ist nur, wann und wie schlimm der nächste Wirbelsturm auf die Millionenmetropole prallen wird. „Auf diesen Moment wollen wir die Stadt vorbereiten“, sagt Bergmann.

Nachdem sein Büro einen Ideenwettbewerb des U.S Department of Housing and Urban Development gewonnen hatte, machten sich Bergmann und sein Team an die Arbeit. Zehn Monate lang überlegten sie, rechneten, zeichneten. Heraus kam eine Schutzmauer, die sich um die Spitze Manhattans schlängeln und über acht Meilen (13 Kilometer) hinweg wie eine Festung absichern soll.

Das sogenannte „Big U” soll Manhattan schützen, andere Architektenbüros kümmern sich um die umliegenden Gebiete wie Staten Island oder Coney Island. Die Regierung hat knapp 60 Milliarden Dollar bereitgestellt – zum Wiederaufbau, aber auch zur Prävention. Auch wenn die komplette Finanzierung für die einzelnen Projekte noch nicht steht, für BIG geht es nun in die nächste Phase.

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