Theodor Hänsch wird 70
Mit dem Wackelpudding-Laser zum Nobelpreis

Schon als Grundschüler wusste Theodor Hänsch, was er werden wollte: Forscher. Am heutigen Sonntag wird der Physiker und Nobelpreisträger 70 Jahre alt – und forscht unermüdlich weiter.
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MünchenEigentlich wollte er Kernphysiker werden, aber dann zog ihn eine damals völlig neue Lichtquelle in ihren Bann: der Laser. Fast 40 Jahre später bekam Theodor Hänsch 2005 für eine auf Lasern basierende Technik den Physik-Nobelpreis. Am heutigen Sonntag (30. Oktober) wird Hänsch nun 70 Jahre alt.

Ein Jahr nach dem Nobelpreis machte Hänsch nochmals Furore, als er sich gegen seine Zwangspensionierung mit 65 Jahren wehrte. nochmals Furore. Natürlich ist er seinerzeit nicht in Ruhestand gegangen – und wird das wohl auch in den nächsten Jahren nicht tun: An der Ludwig-Maximilians-Universität in München hat er über die Carl-Friedrich von Siemens-Stiftung einen Lehrstuhl auf Lebenszeit, und am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching bleibt er mit Unterstützung der Max Planck Förderstiftung noch fünf Jahre Direktor.

„Danach werde ich Emeritus. Aber meine Kollegen haben mir versichert, dass ich auch danach weiter forschen darf – solange die Gesundheit und die Energie das zulassen“, sagt Hänsch.

Schon als Kind begeisterte Hänsch die Wissenschaft. Schließlich wohnte er mit Eltern und Geschwistern in der Bunsenstraße in Heidelberg – genau in dem Haus, in dem der Chemiker Robert Bunsen ein Jahrhundert zuvor gelebt hatte. Als er den Vater fragte, was Bunsen denn getan habe, brachte dieser einen Bunsenbrenner nach Hause. So hatte Hänschs allererstes Experiment bereits mit Licht zu tun: Der Vater streute Kochsalz in die Flamme, die sich sofort gelb färbte. Licht, Laserlicht beschäftigt Hänsch bis heute.

Wann immer Zeit ist, zieht es ihn an den Labortisch. „Ich merke, dass er ab und zu verschwunden ist – dann ist er im Labor“, sagt seine Mitarbeiterin Gabriele Gschwendtner. Hänsch gilt als exzellenter Experimentator – manches entsteht zufällig, spielerisch. „Wenn es darum geht Neues zu entdecken, kann man im Voraus meistens nicht genau vorhersagen, was man denn entdecken wird“, sagt Hänsch.

Auf dem Weg zu seinem Frequenzkamm, das „Lineal aus Laserlicht“ für extrem genaue Messungen, hatte Hänsch einen Laser beiläufig auf einen Wassertropfen gerichtet, der plötzlich selbst zum Laser wurde und grün strahlte. Um zu beweisen, dass letztlich jedes Material Lasermedium werden kann, kochten er und seine Kollegen tagelang Pudding – mit Gelatine gelang das Experiment, die Forscher wurden mit ihren essbaren Wackelpudding-Laser-Varianten bekannt.

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