Therapie
Protonen-Beschuss zerstört Augentumore

Bei etwa 600 Deutschen wird jährlich ein Augentumor diagnostiziert. Der ist schlecht zu behandeln, so dass früher oft das gesamte Auge wegoperiert worden ist. Diesen Radikaleingriff verhindert die Protonentherapie. Der Erfolg der Methode ist unumstritten, doch die Kosten für das aufwendige Verfahren sind immens.

BERLIN. Eine Protonentherapie führt in Deutschland nur die Berliner Charité gemeinsam mit dem Hahn-Meitner-Institut (HMI). Bei dem aufwendigen Verfahren werden Kerne von Wasserstoffatomen mit einem Teilchenbeschleuniger zu einem Strahl gebündelt und ins Innere des Augapfels geschossen, wo er die Wucherung zerstört.

Die Anschaffungs- und Wartungskosten für den Teilchenbeschleuniger sind immens – deshalb gibt es zur Zeit keine andere Klinik in Deutschland, die die Therapie anwendet. Auch das HMI wollte den Bereich, der bislang auch der physikalischen Grundlagenforschung diente, aus Kostengründen bereits schließen. Doch nun soll das Verfahren unter der Federführung der Charité kommerzialisiert werden: „Bislang wurde für die Behandlungsmöglichkeit kein Marketing betrieben. Wir wollen jetzt neue Märkte erschließen, denken besonders an Nord- und Osteuropa“, sagt Florian Wende, kaufmännischer Leiter des Zentrums. Die 13 600 Euro Behandlungskosten pro Patient werden von den Kassen getragen. Angst vor Konkurrenz hat Wende nicht: „Innerhalb der nächsten Jahre wird es in Deutschland wohl keine anderen Anbieter geben“.

„Im Vergleich zu üblichen Gamma- oder Elektronenstrahlen wirken Protonen sehr zielgenau, weil sie auf dem Weg in die Tiefe des Gewebes nicht sehr viel Energie abgeben, daher wird gesundes Gewebe kaum geschädigt", erklärt Andrea Denker, Leiterin der Abteilung Protonentherapie am HMI. Auf diese Weise bleibt in der Regel nicht nur das Auge, sondern meist auch die Sehfähigkeit erhalten, selbst wenn sich der Tumor in der Nähe des Sehnervs befindet.

Bisher wurden mehr als 800 Patienten mit der Methode behandelt. „Die Heilungsquote liegt bei 96 Prozent, womit wir weltweit gesehen in der Spitzengruppe liegen“, sagt Michael Foerster, Leiter der Klinik für Augenheilkunde am Campus Benjamin Franklin.

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