Therapie von Alzheimer
Aufwand für Wirkstoffsuche steigt rasant

Mit seinem hoch automatisierten Forschungszentrum hofft Glaxo auf Erfolge bei der Therapie von Alzheimer-Kranken. Die Forscher entscheiden, in welche Wirkstoffe sie am meisten investieren und begleiten diese bis zum Nachweis ihrer Tauglichkeit als Medikament.

HARLOW. Das Labor ist hell, menschenleer und still. Nur aus einem Glaskasten kommt in regelmäßigen Abständen ein Schlürfgeräusch. Drinnen arbeitet ein Roboter. Sein Arm fährt über eine schwarze Trägerplatte vom Format eines Reisepasses. Eine Achterreihe spitzer Pipetten taucht in eine Flüssigkeit, es schlürft, der Arm surrt über die Trägerplatte und füllt eine Achterreihe Löcher. Alle paar Sekunden wiederholt sich das, bis jedes der 1 536 Löcher der Trägerplatte mit einem winzigen Tropfen gefüllt ist.

Das Forschungszentrum des Pharmariesen Glaxo Smithkline in Harlow bei London: „Wir versuchen hier, Ausgangspunkte für die Entwicklung von Medikamenten zu finden“, erklärt Jonathan Hutchinson, der die Maschine überwacht. Jedes Loch auf der Trägerplatte enthält eine Sorte Moleküle, deren Wirkung auf ein „Target“, also einen Ansatzpunkt für einen Wirkstoff im menschlichen Körper, geprüft wird. „Wir testen im Jahr eine Million Moleküle gegen 80 Targets“, sagt er.

Die Laboretagen in der „Hochdurchlaufchemie“ ein Stockwerk höher sind so groß wie Turnhallen. Forscher überwachen an Bildschirmen die Arbeit des Maschinenparks. Die Geräte schütteln Substanzen in kleinen Röhrchen, sortieren Proben nach Strichcodes in Kästen, befüllen aus einem Gewirr von Schläuchen Röhrchen mit Substanzen. Harlow, eines der größten Labors in Europa, ist eine Molekül-Fabrik. Auf den Zufall verlässt man sich hier nicht.

„Die glückliche Entdeckung gelingt dem vorbereiteten Geist“ – das ist der Wahlspruch der Hausherrin. Jackie Hunter leitet das CEDD für Neurologie und Magen-Darm-Medizin von Glaxo Smithkline. CEDD steht für „Center of Excellence for Drug Discovery“ und ist eine neue Organisationsform, die den Forschern bei Glaxo mehr Eigenverantwortung und Budgethoheit gibt. Sie entscheiden, in welche Wirkstoffe sie am meisten investieren und begleiten diese bis zum Nachweis ihrer Tauglichkeit als Medikament.

Jackie Hunter ist konzernweit für die Suche nach neuen Heilmitteln für Nervenkrankheiten verantwortlich. Ein besonders riskantes Therapiefeld: Nur jeder hundertste Wirkstoff, der an Menschen ausprobiert wird, schafft es auf den Markt – in der gesamten Pharmaforschung ist es jeder neunte. 800 Mill. Dollar kostet es heute im Schnitt, ein neues Medikament bis zur Zulassung zu entwickeln. Für Alzheimer- und Parkinson-Kranke, aber auch für Schlaganfallopfer und Migräne-Patienten suchen Hunters Forscher Linderung.

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