Tiefseeforschung: Keine Wüste unter Wasser

Tiefseeforschung
Keine Wüste unter Wasser

Für Hollywood-Regisseur James Cameron war sein Ausflug zum tiefsten Punkt der Erde eine Art Reise in die Wüste. Doch so tot ist der Meeresboden in 11.000 Metern Tiefe keineswegs, wie Forscher jetzt nachweisen konnten.
  • 0

DüsseldorfAls Regisseur James Cameron im vergangenen Jahr als dritter Mensch überhaupt mit einem U-Boot zum Grund des Marianengrabens vorstieß, berichtete er von einem „sterilen, fast wüstenähnlichen Ort“. Zu ganz anderen Ergebnissen kommt ein internationales Forscherteam, das diesen extremen Lebensraum in 11.000 Metern Wassertiefe genauer erkundet hat. Laut ihren im Fachmagazin „Nature Geoscience“ veröffentlichten Ergebnissen geht es am tiefsten Punkt der Erde weitaus lebendiger zu als bisher gedacht.

Vielleicht sei Camerons Sicht „vor Aufregung vernebelt“ gewesen, sagt Eric Epping vom Royal Netherlands Institute for Sea Research. Für ihn sind die neusten Erkenntnisse seiner Kollegen aus Dänemark, Deutschland, Japan und Schottland jedenfalls sehr bemerkenswert. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Mikroorganismen in dieser tiefsten Senke der Erdoberfläche trotz des extrem hohen Wasserdrucks viel aktiver sind als in seichteren Meeresgebieten.

Tiefseegräben sind Orte von hoher mikrobieller Aktivität, denn der Eintrag von organischem Material ist ungewöhnlich hoch. Dazu zählen absinkende Kadaver von Meerestieren, aber auch Reste von Algen, die sporadisch immer wieder in großen Mengen auf den Meeresboden sinken. An den Grabenhängen kann dieses Material in die tiefsten Stellen des Grabens abrutschen, wenn etwa Erdbeben den Boden erschüttern.

Die Forscher um Ronnie Glud von der Universität Süddänemark ließen einen Tauchroboter in das Challengertief hinab, die vermutlich tiefste Stelle des Marianengrabens. Mit dem Gerät maßen sie die Sauerstoffverteilung im Sediment des Grabens sowie an einer Referenzstelle auf 6000 Metern Tiefe.

„Daraus können wir die bakterielle Sauerstoffaufnahme, also die Atmung, berechnen“,  sagt Frank Wenzhöfer vom Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie, dessen Team an der Untersuchung beteiligt war. „Zusammen mit der Information über den Gehalt an organischem Kohlenstoff im Sediment können wir so die mikrobielle Aktivität im Sediment abschätzen.“

Seite 1:

Keine Wüste unter Wasser

Seite 2:

Die letzten weißen Flecken der Landkarte

Kommentare zu " Tiefseeforschung: Keine Wüste unter Wasser"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%