Tierische Werkzeugbauer
Krake baut Schutzhütte aus Kokosnüssen

Tintenfische im Meer vor Indonesien sammeln weggeworfene Kokosnussschalen, um sich daraus eine Schutzhütte zu bauen. Die Weichtiere stapeln dazu Kokosnuss-Hälften wie Müslischalen auf dem Meeresboden und tragen sie weg – eine für wirbellose Tiere einmalige Intelligenzleistung.
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HB FRANKFURT/MAIN. Das Nutzen von Werkzeug galt lange Zeit als allein dem Menschen vorbehaltene Errungenschaft. Dann entdeckten Forscher, dass auch Affen, Elefanten oder Krähen Hilfsmittel zum Erreichen ihrer Ziele einsetzen. Dass sogar Kraken und damit erstmals wirbellose Meeresbewohner planmäßig Objekte gebrauchen, berichten nun australische Biologen im Fachblatt „Current Biology“.

Der im Westpazifik lebende Kokosnuss-Krake (Amphioctopus marginatus) trägt seinen Namen, weil er auf dem Meeresboden bevorzugt in Schalen der Palmfrüchte Schutz vor Feinden sucht. Durch Zufall entdeckten Forscher des Museum Victoria in Melbourne nun ein ebenso kurioses wie komisches Manöver der kleinen Kopffüßler, deren Rumpf acht Zentimeter misst und deren Arme bis zu 15 Zentimeter lang sind.

Dabei stapelt der Krake zunächst zwei Kokosnusshälften mit der Öffnung nach oben übereinander. Dann stülpt er sich darüber, klemmt die Schalen zwischen den acht Armen ein und läuft anschließend mit starren Tentakeln wie auf Stelzen über den Grund.

Auf diese unbeholfene Art legen die Tiere Entfernungen bis zu 20 Metern zurück. Am Ende ihrer Reise bauen sie sich aus den mühsam transportierten Schalen ein Versteck. „Ich wusste, dass der Krake mit dem Anordnen der Kokosnussschalen etwas bezweckte, aber ich hätte nie erwartet, dass er die gestapelten Schalen aufnimmt und damit wegläuft“, erzählt Julian Flynn. „Das war ein äußerst komischer Anblick - ich habe unter Wasser noch nie so gelacht.“

Die Forscher differenzieren dieses Verhalten von dem des Einsiedlerkrebses, der verlassene Schneckenhäuser als Unterschlupf nutzt. „Es gibt einen fundamentalen Unterschied, ob man ein benachbartes Objekt nimmt und sich als Schutz über den Kopf zieht, oder ob man eine tragbare Rüstung sammelt, anordnet, transportiert und dann wieder zusammenfügt“, sagt Flynns Kollege Mark Norman.

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