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Tollwut bei Organspenden nicht zu verhindern

Die Organe sollten ihr Leben retten, doch sie brachten einigen Transplantations-Patienten eine lebensbedrohliche Krankheit. Sechs Menschen in Deutschland erhielten unter anderem Lunge und Nieren einer Tollwut-infizierten Organspenderin.

dpa MARBURG/NEU-ISENBURG. Die Organe sollten ihr Leben retten, doch sie brachten einigen Transplantations-Patienten eine lebensbedrohliche Krankheit. Sechs Menschen in Deutschland erhielten unter anderem Lunge und Nieren einer Tollwut-infizierten Organspenderin.

Drei Patienten erkrankten danach schwer. Ihr Schicksal schockiert Ärzte und Öffentlichkeit. Nach Meinung von Experten war die Ansteckung jedoch nicht zu vermeiden. Sie ist zudem extrem selten. Weltweit hat es nach Expertenangaben erst einen weiteren Tollwut-Fall nach einer Organverpflanzung gegeben.

Auf keinen Fall sei die Infektion der Patienten ein Grund, nun nicht mehr Organe zu spenden, sagt der geschäftsführende Arzt der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) für die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, Dietmar Mauer. Organspenden sei ein hohes Maß an Nächstenliebe. Auch Menschen auf den Wartelisten für eine Organspende sollten sich durch den Fall nicht gegen eine für sie lebenswichtige Transplantation entscheiden.

Bei einer Transplantation werden die Organe nicht auf Tollwutviren geprüft. Das dauere zu lange und sei nicht völlig zuverlässig, erläutert Mauer. Der Tollwuttest etwa der Nieren hätte Tage gedauert. Wenn aber eine Organverpflanzung ansteht, drängt für Ärzte und Patienten die Zeit. „Als erster Schritt muss der Hirntod festgestellt werden, dann brauchen wir die Einwilligung der Angehörigen“, sagt der DSO-Arzt. Danach werde der Spender unter anderem auf eine HIV- oder Hepatitis-Infektion getestet und organisch untersucht.

„Nach dem Hirntod lassen sich die lebenswichtigen Körperfunktionen nur noch begrenzt aufrechterhalten.“ Je länger das Organ im Körper bleibe, desto schlechter werde es. Sind Leber, Niere oder Herz entnommen, muss es noch schneller gehen: „Herz und Leber müssen nach spätestens fünf Stunden verpflanzt sein, bei einer Niere hat man höchstens 24 Stunden Zeit“, erklärt Mauer. Im Marburger Krankenhaus des einen Nierenempfängers verließen sich die Ärzte auf die Tests der DSO.

Auch für die Klinikärzte ist die Infektion tragisch, aber nicht zu verhindern gewesen: „Wir müssten auf jeden Fall einen sicheren Test haben, den wir auch mit hohen Anstrengungen entwickeln werden. Bis dahin müssen wir aber unseren Patienten sagen, dass wir das Risiko einer Infektion nicht ausschließen können“, sagt behandelnde Professor Joachim Hoyer von der Universitätsklinik Marburg.

Menschen, die sich vor ihrem Tod in Risikogebieten aufgehalten haben, will die DSO als Spender nicht ausschließen. Die 26-Jährige Nieren-Spenderin war vor ihrem Tod in Indien und hatte sich vermutlich dort mit Tollwut infiziert. Beim Blutspenden werden Freiwillige nicht zur Ader gelassen, wenn sie zuvor in Ländern mit erhöhten Infektionsrisiken waren. Bei Organspenden sei das anders, erläutert Mauer: Tausende Patienten warteten in Deutschland auf Ersatzorgane, täglich sterben drei bis fünf Menschen.

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