Tresore
Teil des Lebens

Aus Angst vor Einbrüchen kaufen Privatleute Tresore. Die Panzerschränke sollen die wertvollste Habe zuverlässsig vor unbefugtem zugriff schützen. Doch es beängstigende Erkenntnisse: Längst nicht alle Modelle sind einbruchsicher.
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Angst um seine berufliche Zukunft kennt Diethard Schmale nicht. „So lange in Deutschland im Durchschnitt alle zwei, drei Minuten eingebrochen wird, wollen die Leute ihr Eigentum schützen und kaufen Tresore“, sagt der Vertriebsvorstand von Burg-Wächter, dem führenden deutschen Hersteller von Sicherungssystemen. Mag die Zahl der Einbrüche insgesamt auch seit Jahren allmählich sinken – die Bedrohung empfinden viele Menschen nach wie vor als hoch. Denn die Langfinger richten immer höhere Schäden an. 80 Prozent der Einbrüche werden nicht aufgeklärt, und auch beim Rest tauchen nur selten alle gestohlenen Gegenstände wieder auf.

Vor allem die Erbengeneration leistet sich darum einen Geldschrank. Sie besitzt oft Stücke mit einem hohen ideellen Wert wie besonderen Schmuck, der bei einem Diebstahl nicht zu ersetzen wäre. Zudem macht der technische Fortschritt mehr Dinge schützenswert.

Interessierten sich Einbrecher früher vor allem für Schmuck, Bargeld oder vertrauliche Unterlagen, klauen sie nun vermehrt technische Geräte wie Computer, Videokameras oder Software, die sich leicht zu Geld machen lassen. Interessanter werden auch Autoschlüssel: Angesichts der immer besseren Wegfahrsperren besorgen sich inzwischen Autoschieber auch auf diesem Weg ihren Nachschub.

Doch längst nicht jeder Tresor schützt das Hab und Gut wirksam. Viele Käufer entscheiden sich zunächst für Billigsafes vor allem aus chinesischer Produktion, die Baumärkte bereits für zehn Euro anbieten „Mit etwas Übung kann die jeder mit einem Schraubenzieher in Sekundenschnelle öffnen“, sagt Josef Reingen, Fachmann für Sicherheitstechnologie beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer.

Ein echtes Hindernis für Einbrecher sind nur Wertbehältnisse mit dem ECB-S-Zertifikat, das es je nach Härtegrad in 14 Stufen gibt. Einfachere Safes der Stufe N sind schon ab 250 Euro zu haben. Größere Schränke der Stufe III kosten dagegen schon ein paar Tausend Euro.

Die harte Schale füllen die Hersteller zunehmend mit High Tech. Die klassischen Rad-schlösser der Gattung drei links, vier rechts haben längst einem Schließmanagement Platz gemacht. Moderne Wände bestehen aus Schichten mit unterschiedlichen, gemischten Materialien wie Stahl, Beton und Keramik, für die ein Safeknacker ständig das Werkzeug wechseln muss. Dazu haben sie Sensoren, die die Alarmanlage aktivieren.

Denn ohne eine solche Verbindung zur Polizei ist kein Safe wirklich sicher. „Wer genug Zeit und das passende Gerät hat, kann jeden Tresor knacken“, sagt Experte Reingen. Ebenso wichtig wie die Sicherheit ist inzwischen auch, dass der Schrank leicht zu bedienen und vorzeigbar ist. „Nur wenn der Safe ein Teil des Lebens ist wie der Kühlschrank“, sagt Schmale, „wird er auch genutzt und gibt Sicherheit.“

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