Trinkwasser
Anlagenbauer entwickeln Umwelttechnik für Lima

In Großstädten der dritten Welt gibt es häufig mehrere Brennpunkte zugleich. Im peruanischen Lima sind die Versorgung mit Trinkwasser und Energie kritische Punkte – Probleme, die ein Unternehmen aus Deutschland nun auf einen Streich zu lösen versucht.

KÖLN. In der peruanischen 8-Millionen-Stadt Lima erproben deutsche Hersteller von Umwelttechnik den Markt der Zukunft. Der Berchinger Maschinen- und Anlagenbauer Huber hat dort in einem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt einen Biogasreaktor entwickelt, der Abwasser klärt und Abfälle in Biogas umwandelt.

Abwasserreinigung und Energieerzeugung in einem: Solche Lösungen könnten – in Serie gefertigt – die ökologischen Probleme von Großstädten in der Dritten Welt lösen, die ihr rasantes Wachstum nicht mehr bewältigen können. Die einheimischen Unternehmen verfügen oft nicht über die notwendige Technik, um Großanlagen zu bauen. Daher müssen die Städte auf ausländisches Wissen zurückgreifen – wie das von Huber.

„In Deutschland haben wir keine Megastädte. Die Erfahrungen die wir in Lima machen, sind ungeheuer wichtig. Wir können schneller Ansprechpartner finden und sind vor Ort präsent“, sagt Stefania Paris, Forschungsleiterin bei Huber.

Die Abwasserentsorgung stellt derzeit das größte Problem da. In Peru beispielsweise wurden 2005 nach Regierungsangaben nur 22 Prozent des Abwassers geklärt. „In vielen Ländern ist die Abwasserentsorgung nicht nur mangelhaft, sondern so gut wie gar nicht existent. In Lima wird ein Teil des Abwassers zu Bewässerung von Grünanlagen verwendet“, sagt Manfred Schütze, Koordinator des Lima-Projektes beim Institut für Automation und Kommunikation in Magdeburg.

Für deutsche Umwelttechnik-Unternehmen bieten die Ballungszentren in Lateinamerika, Asien und Afrika große Chancen. Der Nachholbedarf ist enorm. Die Technologieberatung Booz Allen Hamilton schätzt bis zum Jahr 2030 die weltweit notwendigen Infrastrukturausgaben auf 41 Bill. US-Dollar. Davon entfallen laut Studie 22,6 Bill. auf den Ausbau der Wasserinfrastruktur. 40 Prozent davon fallen in Asien an, 22 Prozent in Süd- und Lateinamerika. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung rechnet sogar mit einer Investitionssumme von 53 Bill. US-Dollar.

Die Probleme in den wuchernden Slums gehen viele Politiker in Hauruck-Aktionen an. Der peruanische Bauminister Hernán Garrido-Lecca rief beispielsweise im vergangenen Jahr das Programm „Wasser für alle“ aus, bei dem die Stadtwerke von Lima mehr als eine halbe Million Peruaner mit Trinkwasser versorgen sollen. Noch haben drei von vier Peruanern haben keinen Trinkwasseranschluss. Bis 2015 sollen nach Regierungsplänen mehr als 4 Mrd. US-Dollar in den Ausbau der Wasserinfrastruktur fließen. Und selbst nach den milliardenschweren Investitionen werden 18 Prozent nicht an das Versorgungsnetz angeschlossen sein.

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