Forschung + Innovation
Tübinger Professor zeigt 28 000 Jahre alten Phallus

Der Tübinger Ur- und Frühgeschichtler Prof. Nicholas Conard hat am Montag in Schelklingen (Baden-Württemberg) erstmals einen Phallus aus der Eiszeit der Öffentlichkeit präsentiert.

dpa SCHELKLINGEN. Der Tübinger Ur- und Frühgeschichtler Prof. Nicholas Conard hat am Montag in Schelklingen (Baden-Württemberg) erstmals einen Phallus aus der Eiszeit der Öffentlichkeit präsentiert.

Das anthrazitfarbene männliche Glied aus Siltstein, das in der Höhle „Hohle Fels“ gefunden wurde, ist 19,2 Zentimeter lang, 3,6 Zentimeter breit, 2,8 Zentimeter dick und 287 Gramm schwer. Es ist rund 28 000 Jahre alt. Zu sehen ist der bedeutende Fund bis zum 6. Januar 2006 im Rahmen der Sonderschau „Eiszeitkunst - eindeutig männlich“ im Urgeschichtlichen Museum Blaubeuren.

Conard sagte, es handele sich um einen außerordentlich seltenen Fund: Europaweit existierten nicht einmal zehn vorgeschichtliche Phalli, ein derart altes Objekt sei sogar einzigartig. Die insgesamt 14 Einzelteile aus dem „Hohle Fels“, die inzwischen zusammengefügt wurden, lagen über eine Fläche von etwa einem Quadratmeter verstreut und wurden innerhalb von acht Jahren ausgegraben.

Dass es sich bei dem Fund um ein von Menschenhand bearbeitetes Objekt handelt, steht für die Archäologen außer Frage: Die stark polierte Oberfläche spreche ebenso dafür wie die umlaufende Einkerbung an einem der beiden Enden.

Über die Verwendung des Phallus können dagegen auch die Wissenschaftler nur mutmaßen. Conards These: Er war ein Werkzeug. Mehrere so genannte „Narbenfelder“ sprächen dafür, dass er als Schlagstein verwendet wurde, mit dem aus Feuerstein Jagdwaffen hergestellt wurden. Da der Phallus ein Symbol für Kraft ist, sollte diese Kraft nach Conards Vermutung auf die Waffen übertragen werden.

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