Tüftler-Messe
Von Ohrdolmetschern und Balkon-Windrädern

Willkommen in der Welt der Düsentriebs: Beim 40. Genfer Gipfeltreffen der Erfinder-Gemeinde werden mehr tolle Ideen als je zuvor vorgestellt. Manche sind auch ganz praktisch.
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GenfHat es Sie schon mal gestört, dass Italiener einen in Italien einfach so auf italienisch ansprechen? Da gäbe es Abhilfe. Das Gerät heißt „Speak World“ und sieht aus wie eine Minitaschenlampe. Ans Ohr heften, einschalten und was immer die fremdländische Marktfrau sagt - ins eigene Ohr dringt es in der vertrauten heimischen Sprache. Mit seinem Instant-Audio-Dolmetscher „Speak World“, der an den fiktiven Babelfisch erinnert, gehört der Franzose Joël Pedre zu den Stars des diesjährigen Gipfeltreffens der Tüftler, der 40. Internationalen Messe für Erfindungen.

Pedre ist aber längst nicht einzige kluge Kopf, der Walt Disneys genialem Ingenieur Daniel Düsentrieb - könnte er denn die Messe in Genf besuchen - in helles Entzücken versetzen würde. Pfiffige Köpfe aus 46 Ländern warten diesmal mit mehr als 1000 Ideen für neue Produkte auf, die das Leben leichter oder wenigstens interessanter machen sollen - ein Rekord für die weltgrößte Erfindermesse.

Die Palette der mehr oder weniger genialen Produktideen ist enorm. Sie reicht zum Beispiel von der „dynamischen intelligenten Kochplatte (IDK) mit integrierter Topfmantel-Heizung“ über den „Induktionsdosen-Kocher Plus“ bis hin zum gigantischen Video-Golf-Trainer nach dem Vorbild des visuellen Pilotentrainings.

Oft sind es freilich eher die netten kleinen Geistesblitze, die uns das Leben erleichtern. Viele Menschen ärgern sich, dass ihnen die Zehnnägel schief oder gar unter die Haut wachsen. Da weiß Fatima Gulru Erdogan Rat. Die Türkin hat aus Operationsgarn, wie es Zahnärzte benutzen, eine Schlinge entwickelt, die man sich - mit gebotener Vorsicht natürlich - unter den Nagel zieht und darüber verknotet. Das Garn im Haus erspart die Nagel-Operation. Und der Schmerz im großen Onkel lasse nach dem Einziehen der Nagelschlinge auch wirklich sofort nach.

Denkt man an die Haushaltskasse, dann ist bestimmt der Windrad-Stromerzeuger von Huing-Jung Tsai, Professor an der Wufeng-Universität in Taiwan, nicht uninteressant. Er arbeitet im Grunde nicht anders als die großen Windräder, die unsere Autobahnwiesen zieren oder verunstalten, je nach Betrachter. „Nur unser Windrad kann auf jedem Balkon aufgestellt werden und die häusliche Energiebilanz positiv beeinflussen“, sagt Professor Hung-Jung.

Über reges Interesse kann sich auch der Belgier Lecluse William freuen. Er macht sich die „selbstsäubernde Wirkung der Lotus-Blume“ zunutze. Aus dem Extrakt der exotischen Pflanze, die er nicht aus China, sondern aus holländischen Treibhäusern bezieht, lässt er in Zwickau ein neues Brillenglas-Reinigungswasser herstellen. „Einmal darin gespült und Sie laufen drei Tage lang mit einer klaren Durchsicht-Brille rum“, verspricht Williams Standbetreuerin mit unüberhörbar sächsischem Dialekt.

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