Tunguska-Katastrophe
Inferno in der Einöde

Vor 100 Jahren erschütterte eine gewaltige Explosion die einsame Waldregion um den sibirischen Fluss Steinige Tunguska. Die Katastrophe verwüstete ein Gebiet von der Größe des Saarlands - und beschäftigt die Wissenschaft bis heute.

HB DÜSSELDORF. Das Inferno kam in den frühen Morgenstunden: Am 30. Juni 1908 erhellt ein greller Blitz den Himmel über Sibirien. Die abgelegene Tunguska-Region wird von einer gigantischen Explosion erschüttert: Auf einer Fläche von der Größe des Saarlands werden Bäume wie Streichhölzer umgeknickt, große Mengen Staub verdunkeln den Himmel und eine atmosphärische Schockwelle rast zweimal um die ganze Erde.

Noch in einer Entfernung von mehreren 100 Kilometern sehen Augenzeugen ein blendendes Glühen am Himmel und hören ohrenbetäubende Schläge. Die Explosion setzte nach heutigem Wissen die Sprengkraft von bis zu 1000 Hiroshima-Bomben frei. Dass keine Opfer zu beklagen sind, liegt allein an der Abgeschiedenheit der Region. Wäre der Meteorit wenige Stunden später vom Himmel gefallen, hätte er Sankt Petersburg getroffen – und die russische Metropole ausgelöscht.

19 Jahre dauerte es, bis zum ersten Mal Wissenschaftler den Ort der Katastrophe betreten konnten. Das Team um den sowjetischen Geologen L. A. Kulik rechnete damit, die üblichen Spuren eines Einschlags vorzufinden. Doch die Wissenschaftler entdeckten weder einen Krater noch nennenswerte Meteoriten-Überreste. Damit war das Tunguska-Rätsel geboren: Von fehlgeschlagenen russischen Waffenversuchen bis hin zur missglückten Landung eines außerirdischen Raumschiffs reichen die Theorien, die in der Folgezeit aus nicht immer berufenem Munde geäußert wurden.

Dabei sind sich die Wissenschaftler weitgehend einig über das, was vor hundert Jahren in Sibirien geschehen ist: Ein vermutlich nur 20 Meter großer Steinmeteorit explodierte in zehn bis 20 Kilometern Höhe über dem Fluss Steinige Tunguska in Ostsibirien. Der Meteorit selbst wurde dabei vollständig zerstört, nur eine Druckwelle erreichte den Erdboden. So konnte es zu den gewaltigen Zerstörungen kommen, ohne dass ein Krater entstand oder Meteoriten-Trümmer auf die Erde regneten.

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