Forschung + Innovation
Überreste von bislang unbekannter Zwergmenschenart gefunden

London (dpa) ­ In einer Höhle auf der indonesischen Insel Flores haben Forscher Überreste einer bislang unbekannten Zwergmenschenart mit einem nur pampelmusengroßen Kopf ausgegraben.

London (dpa) ­ In einer Höhle auf der indonesischen Insel Flores haben Forscher Überreste einer bislang unbekannten Zwergmenschenart mit einem nur pampelmusengroßen Kopf ausgegraben. Der auf den Namen Homo floresiensis getaufte Vertreter der neuen Art war mit nur einem Meter Körperhöhe erstaunlich klein, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Nature“ (Bd. 431, S. 1 055 und 1 087).

Die Entdeckung einer neuen Menschenart, die noch bis vor etwa 18 000 Jahren existierte, lasse vermuten, dass die Gattung Homo nach der Auswanderung aus Afrika eine größere Vielfalt aufwies als bislang angenommen.

Die Forscher um Peter Brown und Mike Moorwood von der Universität von New England in Armidale (Australien) stießen bereits im September 2003 während Grabungsarbeiten in der Liang-Bua-Höhle auf das Skelett der erwachsenen Frau. Die schmale Statur und der kleine Schädel erinnern an eine afrikanische Gattung der Menschenartigen (Hominiden), die frühen Australopithecinen. Schädel- und Kieferknochen stellten allerdings eine ungewöhnliche Mischung aus primitiven, moderneren und einzigartigen Merkmalen dar. Insbesondere Eigenschaften des Gesichts und der Zähne kennzeichneten das Skelett als zur Gattung Homo gehörend.

Die Wissenschaftler vermuten, dass es sich beim Homo floresiensis um einen Abkömmling des Homo erectus handelt, aus dem sich wahrscheinlich auch der moderne Homo sapiens entwickelt hat. Der Homo erectus verbreitete sich, beginnend vor etwa zwei Mill. Jahren, aus Afrika bis nach Asien und Europa. Der Theorie der Forscher zufolge entwickelten sich auf der Insel Flores einige Vertreter des Homo erectus - isoliert von ihren Artgenossen ­ zu der nun entdeckten eigenständigen Art weiter.

Die ungewöhnlich kleine Körperhöhe, die den Homo floresiensis deutlich vom Homo erectus unterscheidet, erklären die Wissenschaftler mit einer nachträglichen Schrumpfung als Anpassung an die neue Umgebung. Ein eingeschränktes Nahrungsangebot könne etwa dazu führen, dass kleinere Vertreter mit niedrigerem Kalorienbedarf von der Evolution bevorzugt werden. Solche Vorgänge seien aus dem Tierreich bekannt. Tatsächlich fanden die Forscher an der gleichen Fundstelle Überreste primitiver Elefanten ­ ebenfalls geschrumpft. Diese Stegodon waren die einzigen großen Landsäugetiere, die während des Pleistozäns mit Homo floresiensis auf der Insel lebten.

Auch der Homo sapiens hatte in dieser Zeit bereits den asiatischen Raum erobert. Die beiden Menschenarten lebten also eine ganze Zeit nebeneinander. Ob sie miteinander interagierten, ist allerdings unklar. Neben den Überresten der Elefanten fanden die Wissenschaftler auch Steinwerkzeuge. Sie lassen darauf schließen, dass die frühen Menschen ­ Homo sapiens oder Homo floresiensis ­ die Tiere gejagt haben.

Der Fund bestätige die Annahme, dass die Gattung Homo in viel mehr Vertreter aufgespalten gewesen sei und der Stammbaum des Menschen eher einem Busch gleiche, schreiben Marta Mirazón und Robert Foley von der Universität Cambridge (Großbritannien) in einem begleitenden Kommentar. Auch die Forscher um Brown und Moorwood rechnen damit, dass noch weitere Menscharten entdeckt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%