Überspannung
Blitzableiter fürs Handy

Elektrostatische Entladungen haben es in sich: Die kleinen Blitze enthalten Spannungen bis zu 15 000 Volt. Gefährlich sind diese Funken nicht – zumindest nicht für Menschen. Schlagen sie aber ins Handy oder in andere tragbare elektronische Geräte ein, so können sie die darin enthaltenen Chips zerstören. Ein kleines elektronisches Bauteil soll Mobiltelefone künftig vor Überspannung schützen.

MÜNCHEN. Ein kleines elektronisches Bauteil soll Mobiltelefone künftig vor einer Überdosis Strom schützen. Der Münchener Chipproduzent Infineon stellt heute den kleinsten Blitzableiter für Chips vor. Die sogenannte TVS-Diode (TVS steht für Transient Voltage Suppression) ist nur 0,6 Millimeter lang, 0,3 Millimeter breit und 0,3 Millimeter hoch und damit kleiner als ein Zuckerkristall.

Jeder kennt das Problem: Da zieht man den Pullover aus, und schon fliegen die Funken. Besonders an Wintertagen mit trockener Heizungsluft machen viele Menschen Bekanntschaft mit elektrostatischen Entladungen. Die kleinen Blitze haben es in sich: Sie enthalten Spannungen bis 15 000 Volt und Stromstärken von bis zu 50 Ampere. Gefährlich sind diese Funken nicht – zumindest nicht für Menschen. Schlagen sie aber ins Handy oder in andere tragbare elektronische Geräte ein, so können sie die darin enthaltenen Chips zerstören.

Das soll die TVS-Diode künftig verhindern. Das Bauelement ist nach Unternehmensangaben das Kleinste seiner Art. Europas zweitgrößter Halbleiterkonzern will die Neuentwicklung künftig an die Elektronikindustrie verkaufen, damit diese den „Blitzableiter“ in Mobiltelefone, Fotoapparate, Videokameras und MP 3-Player eingebaut. Für die Abnehmer hat die Diode mehrere Vorteile: Weil sie so klein ist, braucht sie wenig Platz. Dadurch können die Anbieter ihre Geräte kompakter konstruieren. Das entspricht dem Trend, die Apparate immer flacher zu machen.

Zudem reagiert das Bauelement in weniger als einer halben Nanosekunde und ist damit extrem schnell. „Immer kleiner werdende Strukturen und der Trend zu immer höheren Datenraten führen zu immer empfindlicheren, hochintegrierten Chips“, sagt Holger Homann, der Marketingmanager für diese Produkte bei Infineon. Deshalb müssten auch die Bauelemente zu deren Schutz immer besser werden.

Infineon ist auf Innovationen dieser Art dringend angewiesen, denn das Unternehmen schreibt derzeit tief rote Zahlen. Das liegt vor allem am schwachen Geschäft der Speicherchip-Tochter Qimonda. Die Preise für deren Produkte, so genannte Drams, sind in diesem Jahr massiv eingebrochen und liegen unterhalb der Produktionskosten.

Diese Verluste versucht Infineon durch Gewinne im Geschäft mit so genannten Logik-Chips auszugleichen. In den vergangenen Quartalen ist dies allerdings noch nicht gelungen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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