Überwintern in der Antarktis Schlimm wäre es, wenn die Süßigkeiten ausgingen

Wie hält man Menschen bei Laune, die monatelang in der Dunkelheit der Polarnacht ausharren müssen? Mit gutem Essen zum Beispiel: In der Antarktis kümmert sich ein Koch aus Hamburg um überwinternde Forscher.
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Frische Lebensmittel sind derzeit Mangelware für Krüger, der als Koch in der Antarktisstation Neumayer III arbeitet. Quelle: dpa
Koch Sven Krüger

Frische Lebensmittel sind derzeit Mangelware für Krüger, der als Koch in der Antarktisstation Neumayer III arbeitet.

(Foto: dpa)

BremerhavenBis November ist es noch lange hin. Sven Krüger freut sich dennoch bereits darauf. Dann wird der Koch endlich wieder eine Lieferung mit Salat, Gemüse, Obst und Eiern erhalten. Die letzte kam im Februar, die frischen Lebensmittel sind längst verbraucht.

Nur Äpfel und Orangen sind noch da – und natürlich die lange haltbaren und tiefgekühlten Vorräte. Mal eben in den Supermarkt gehen kann der 35-Jährige nicht. Sven Krüger aus Hamburg ist Koch auf der vom Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) betriebenen Forschungsstation Neumayer III in der Antarktis.

Polarstation rutscht auf Skiern übers Eis
Umzug beendet
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Es ist vollbracht: Die britische Polarstation Halley VI hat nach einem wochenlangen Umzug endlich ihre neue Position auf dem antarktischen Brunt-Eisschelf erreicht, meldet der British Antarctic Survey (BAS). (Foto: BAS)

Auf Skiern übers Eis
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Die acht Einzelmodule mussten – erstmals in ihrer Geschichte – auf überdimensionierten Schiern über das Eis gezogen werden. (Foto: BAS)

Logistische Meisterleitung
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13 Wochen dauerte das Unterfangen, berichtet die BAS. Eine logistische Meisterleistung im Wettlauf gegen die Zeit, denn der Umzug musste abgeschlossen sein, bevor der antarktische Winter mit extremen Tiefsttemperaturen und Dauernacht einsetzt. (Foto: BAS)

Riss im Eis bedrohte die Station
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Nötig wurde der Umzug, weil sich landeinwärts von Halley VI ein riesiger Spalt im Schelfeis geöffnet hatte und wuchs. (Foto: BAS)

Forschungsstation umgezogen
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Der Spalt hätte den bisherigen Standort vom Rest des Schelfeises trennen können. Die Station befindet sich nun 23 Kilometer westlich des Spalts in Richtung Festland.

Seit 1956 in der Antarktis
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Seit 1956 werden auf der britischen Forschungsstation in der Antarktis Daten gesammelt, wobei die Stationsgebäude mehrfach modernisiert oder ausgetauscht wurden.

Ohne Verlegung droht der Sturz ins Meer
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Die neueste Version Halley VI wurde extra so gebaut, dass sie leicht verlegt werden kann, denn das Eis von Brunt schiebt sich jedes Jahr 400 Meter weiter seewärts. Ohne regelmäßige Verlagerung würde Halley irgendwann ins Meer stürzen.

Dort gehört er seit Dezember 2016 zur zwölfköpfigen Überwinterungscrew, bestehend aus Wissenschaftlern, einem Ingenieur, einem Elektrotechniker, einem Informatiker, einem Mediziner und einem Kamerateam. Erst Anfang Februar 2018 geht es zurück nach Hause. Dann wird Krüger bereits den nächsten Saison-Koch eingearbeitet haben.

14 Monate im ewigen Eis, fernab der Zivilisation – diese Erfahrung hat Sven Krüger gereizt. Fast sieben Jahre hat er in seiner Heimatstadt Hamburg als Ausbilder in der Küche eines Verlagshauses gearbeitet. „Dann musste was Neues her.“

Durch eine Reportage erfuhr er von der Jobmöglichkeit in der Antarktis. „Ich hatte nie vor, ins Ausland zu gehen.“ Schließlich habe er zusammen mit seiner Ex-Partnerin eine elfjährige Tochter. „Aber bei der Stellenausschreibung bin ich neugierig geworden“, erzählt Krüger. Und glücklicherweise gebe es ja Videotelefonie.

In einer viermonatigen Vorbereitungsphase in Bremerhaven lernte sich das neue Überwinterungsteam kennen. In dieser Zeit schickte Krüger auch die Bestellung von 1500 Einzelartikeln los. Der Proviant wurde dann in sechs Containern verstaut, Anfang Januar 2017 kam das Essen mit dem Forschungseisbrecher „Polarstern“ in der Antarktis an.

Weitere vier Lieferungen folgten mit dem Flieger. Eine Jahresbestellung besteht aus 60 Tonnen Lebensmitteln, darunter 1500 Litern Milch, 900 Kilogramm Kartoffeln und 5000 Eiern.

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