Ultraschallmodem überträgt Signale von Bodendetektoren blitzschnell zu Bojen
Neues Tsunami-Warnsystem kommuniziert wie Delfine

In der Nacht zum vergangenen Montag hat ein Tsunami-Alarm in Thailand Urlauber und Einheimische in Panik versetzt. Viele Menschen flüchteten in die Berge. Doch sie hatten Glück: Die große Flutwelle blieb aus, so dass die Aufgeschreckten wenige Stunden später wieder in ihre Dörfer zurückkehren konnten. Solche Fehlwarnungen könne man sich nicht oft leisten, warnte die thailändische Regierung.

HB BERLIN. Unnötige Evakuierungen könnten die Menschen an der Ernsthaftigkeit von Warnungen zweifeln lassen, hieß es. Das zeige, wie wichtig es ist, dass das neue Tsunami-Frühwarnsystem, dass zurzeit vor der Küste installiert wird, auch wirklich zuverlässig und schnell arbeitet.

Mit einem neuartigen Modem, das Berliner Forscher für das Tsunami-Frühwarnsystem entwickelt haben, sollte das kein Problem sein. Es überträgt Signale von den Bodendetektoren blitzschnell zu den Warnbojen, welche die Information per Satelliten direkt an die Überwachungszentrale weiterleiten. Laut Peter Herzig vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften ist Deutschland mit dieser Technik führend. Ein in den USA entwickeltes Warnsystem kommt nicht ohne Kabel aus.

Das Besondere: Das Prinzip der Modemtechnik haben die Forscher den Gesängen der Delfine abgeschaut. Konstantin Kebkal vom Fachgebiet Bionik und Evolutionstechnik der TU Berlin studierte die Lautübertragung der Meerestiere und entwickelte daraus eine drahtlose Übertragungstechnik, mit der Messdaten und Fotos vom Meeresgrund für ein Tsunami-Warnsystem schnell und störungsfrei übermittelt werden können.

„Wir wissen aus Experimenten am Schwarzen Meer, dass Delfine komplex moduliert im Ultraschallbereich miteinander kommunizieren“, sagt Kebkal. Und das hat einen guten Grund. Denn die Schallwellen werden von Wasser, Klippen oder Verwerfungen auf dem Meeresgrund reflektiert. Aus diesem Grund passen die Meerestiere ihre Signale den Bedingungen an, indem sie ihre Frequenzbänder spreizen. So können Botschaften auch unter widrigen Umständen kilometerweit übertragen werden. „Dabei verständigen sich die Säuger in einem Frequenzbereich von vier bis 80 Kilohertz. Mit Frequenzen bis zu 16 Kilohertz schaffen sie eine Übertragung ihrer Gesänge von bis zu zehn Kilometern“, erklärt der Bioniker.

Eine solche Distanz ist für die Wissenschaftler ein Fernziel. Bislang wurden mit dem von ihnen entwickelten Modem Daten über zwei Kilometer hinweg versendet. Als nächster Schritt ist eine Entfernung von sechs bis acht Kilometern angepeilt. Somit ließen sich auch Tiefseegräben überwachen, deren Erdbewegungen Tsunamis auslösen.

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