Umwelt
Bodenseepegelstand seit 1999 um 80 Zentimeter gesunken

Forscher haben am Bodensee eine Senkung des Wasserstands um 80 Zentimeter seit 1999 gemessen. Der Bodensee verändere sich ungewöhnlich schnell und dramatisch, berichteten Wissenschaftler bei einer Fachtagung in Konstanz.

dpa KONSTANZ. Forscher haben am Bodensee eine Senkung des Wasserstands um 80 Zentimeter seit 1999 gemessen. Der Bodensee verändere sich ungewöhnlich schnell und dramatisch, berichteten Wissenschaftler bei einer Fachtagung in Konstanz.

Sinkende Wasserstände und Erosion bedrohten die historischen Pfahlbauten, warnte das Landesamt für Denkmalpflege. In 20 Jahren könnten die meisten Gebäude verschwunden sein. Eine der Ursachen für den gesunkenen Bodenseepegel könne der Klimawandel sein, hieß es. Aber auch andere Faktoren wie Wasserkraft-Staubecken am Alpenrhein könnten den Seepegel beeinflussen.

Archäologe Helmut Schlichtherle von der Denkmalpflege sagte, bei 80 der 100 Fundstellen im Bodensee drohe der Totalverlust. Es gebe eine Erosion unbekannten Ausmaßes in Bereichen, die Jahrtausende stabil waren. „Der Badegast merkt das nicht, aber unten am Grund geht was ab“, erklärte Schlichtherle.

Der Konstanzer Biologe Michael Dienst berichtete vom Wandel der Uferpflanzen. Es siedelten sich zunehmend Weiden an, so dass neue Auenwälder entstünden. Dies sei ein Vorgeschmack auf die Folgen des Klimawandels, sagte Dienst. Auch Zug- und Brutvögel ändern den Forschern zufolge bereits ihr Verhalten.

Nach Zahlen des Karlsruher Instituts für Meteorologie und Klimaforschung stieg die Lufttemperatur am Bodensee in den vergangenen 70 Jahren um bis zu 0,6 Grad Celsius. Die Jahreszeiten verschoben sich um zehn bis 20 Tage nach vorn. Der Regen im Sommer nahm zu und im Winter ab. Zudem häuften sich Extreme wie Sturm, Hoch- und Niedrigwasser. Dieser Trend werde sich fortsetzen, hieß es. Wolfgang Ostendorp von Limnologischen Institut der Universität Konstanz nannte den langfristig sinkenden Wasserstand eine schlummernde Zeitbombe. Er rief auch die Energieunternehmen auf, ihre Wasserdaten offen zu legen.

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