Umwelt
Bürger für deutsche Vorreiterrolle im Umweltschutz

Mit den alarmierenden Prognosen für den Klimawandel ist die Unterstützung der Deutschen für strikten Umweltschutz einer Studie zufolge stark gewachsen. Zwei Drittel der Bevölkerung möchte, dass Deutschland beim Klimaschutz international eine Vorreiterrolle einnimmt.

dpa BERLIN. Mit den alarmierenden Prognosen für den Klimawandel ist die Unterstützung der Deutschen für strikten Umweltschutz einer Studie zufolge stark gewachsen. Zwei Drittel der Bevölkerung möchte, dass Deutschland beim Klimaschutz international eine Vorreiterrolle einnimmt.

Zur Abkehr von Klimakillern wie Öl und Kohle setzt eine große Mehrheit auf Energie-Einsparungen und mehr erneuerbare Energien. Keinen Ausweg sehen sie jedoch im Festhalten an der Atomkraft, auch wenn 62 Prozent befürchten, dass eine Klimakatastrophe nicht mehr abzuwenden ist. Das geht aus der am Dienstag veröffentlichten Studie der Marburger Philipps-Universität im Auftrag von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt (UBA) hervor. Befragt wurden von April bis Juni 2034 Personen in allen Teilen Deutschlands.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte den „Rückenwind“ der Umfrageergebnisse für seine Politik. „Diesen Herausforderungen stelle ich mich“, schrieb er in einem Vorwort der Studie. Dabei sei die intelligente Nutzung von Energie und knapper werdenden Ressourcen die Schlüsselfrage des 21. Jahrhunderts. „Wir brauchen eine ökologische Industriepolitik als wesentlichen Beitrag für Umwelt, Innovation und Beschäftigung in Deutschland.“ Beim Thema Naturschutz forderte er den Erhalt der Artenvielfalt und kündigte an: „Die Bundesregierung wird Anfang 2007 auch eine umfassende nationale Strategie zur biologischen Vielfalt vorlegen.“

Auch UBA-Präsident Andreas Troge stellte das gewachsene Umweltbewusstsein der Deutschen heraus. Beim Flugbenzin bejahten inzwischen sogar 81 Prozent eine Besteuerung. Und zur Abwehr des gesundheitsschädlichen Feinstaubs stimmten fast 80 Prozent zu, wenn Straßen vorübergehend für den Autoverkehr gesperrt würden. In der Studie heißt es andererseits auch: „Die Deutschen halten mittlerweile viel von erneuerbaren Energien (...). Doch nur fünf Prozent der Befragten geben an, bereits Öko-Strom zu beziehen.“ In der Studie zwei Jahre zuvor habe dieser Anteil bei drei Prozent gelegen.

Grünen-Chef Reinhard Bütikofer begrüßte den „Bewusstseinswandel“ der Deutschen. „Die zwei Drittel der Bevölkerung, die für den Atomausstieg sind und ihn beschleunigen wollen, können das selbst jetzt schon tun.“ Jeder könne sofort auf Öko-Energien umsteigen.

Laut Studie halten 93 Prozent der Befragten Umweltschutz für wichtig. Bei der Frage nach den wichtigsten Problemen nannten 25 Prozent den Umweltschutz. Dieser rückte damit auf den zweiten Platz vor das Thema Wirtschaftslage (20 Prozent). Bei der Umfrage zwei Jahre zuvor hatten nur 18 Prozent die Beseitigung von Umweltschäden als das wichtigste Problem bezeichnet. Unangefochten vorn rangiert das Thema Arbeitslosigkeit mit heute 63 Prozent nach 55 Prozent im Jahr 2004.

67 Prozent forderten die deutsche Vorreiterrolle im Umweltschutz. 2004 waren dies 56 Prozent und in der Studie 2002 erst 47 Prozent. 87 Prozent fordern den Umstieg auf erneuerbare Energien, während die Atomkraft „mehrheitlich ad acta“ gelegt werden sollte. 37 Prozent wollen am geplanten Atomausstieg bis 2023 festhalten. 28 Prozent forderten gar eine Beschleunigung. Damit wird die auch in anderen Studien festgestellte Gegnerschaft zur Atomkraft bestätigt.

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