Umwelt
CO2-Fresser passen sich erhöhtem Kohlendioxid-Gehalt an

Meeresplankton nimmt große Mengen des menschengemachten Kohlendioxids auf und vermindert so die Erderwärmung. Das sei jedoch eine risikoreiche Belastung für das Meeresökosystem, berichten Kieler Forscher gemeinsam mit norwegischen Kollegen im Fachjournal „Nature“.

dpa KIEL. Meeresplankton nimmt große Mengen des menschengemachten Kohlendioxids auf und vermindert so die Erderwärmung. Das sei jedoch eine risikoreiche Belastung für das Meeresökosystem, berichten Kieler Forscher gemeinsam mit norwegischen Kollegen im Fachjournal „Nature“.

Sie hatten in einem norwegischen Fjord den erwarteten CO2-Anstieg von 2 100 und 2 150 simuliert und dabei festgestellt, dass die Algen mit steigender Kohlendioxid-Konzentration auch mehr von dem Treibhausgas aufnehmen.

„In unseren Experimenten zeigte sich keine Sättigung der Organismen. Es ist noch unklar, ab welchem Kohlendioxid-Gehalt ein Ende der Aufnahmekapazität erreicht ist“, sagte Prof. Ulf Riebesell, Meeresbiologe am Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM- Geomar) und Erstautor der Studie. Er habe nicht damit gerechnet, dass die Planktongemeinschaft dem Kohlendioxid-Anstieg in der Atmosphäre in diesem Maße entgegenwirke. In der Studie stieg die CO2- Aufnahmerate um bis zu 39 Prozent.

Der Ozean ist der größte Speicher des vom Menschen verursachten CO2-Ausstoßes. Die Weltmeere haben bisher etwa 50 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen geschluckt, ein Großteil ist im Wasser gelöst. Die natürliche Hilfe beim Klimaschutz birgt nach Angaben der Meeresbiologen aber große Risiken für Meeresökosysteme. Wenn die Mikroorganismen mehr Kohlendioxid aufnehmen, würden die absinkenden Lebewesen zugleich die Versauerung der tiefen Ozeane beschleunigen. Die absinkende Biomasse verbrauche bei ihrem Abbau zudem den für alle Lebewesen im Meer lebenswichtigen Sauerstoff. „In sauerstoffarmen Ozeanen kann Leben bis auf Bakterien kaum existieren“, erklärte Riebesell.

Kleinkrebse, die mit den Kohlenstoff-gesättigten Mikroalgen gefüttert wurden, zeigten eine geringere Wachstumsrate und pflanzten sich nicht mehr so stark fort. „Das ist so, als wenn ein Mensch statt Salat auf einmal fette Hamburger isst“, erläuterte Riebesell.

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