Umwelt
Frostige "Arche Noah" für Saatgut auf Spitzbergen eröffnet

Als tiefgekühlte „Arche Noah“ für alle Nutzpflanzen der Welt hat am Dienstag auf Spitzbergen eine Welt-Saatgutbank ihre Tore geöffnet. Ab sofort soll hier Samen von mehr als vier Mill. Pflanzen wie Reis, Mais, Bohnen und Kartoffeln gesammelt und eingefroren werden.

dpa LONGYEARBYEN. Als tiefgekühlte „Arche Noah“ für alle Nutzpflanzen der Welt hat am Dienstag auf Spitzbergen eine Welt-Saatgutbank ihre Tore geöffnet. Ab sofort soll hier Samen von mehr als vier Mill. Pflanzen wie Reis, Mais, Bohnen und Kartoffeln gesammelt und eingefroren werden.

Mit dieser „eisernen Reserve“ können die Menschen nach möglichen Katastrophen durch Klimaänderungen, Kriege, Epidemien oder anderen Problemen wieder neue Keime aller existierenden Nutzpflanzen anpflanzen.

Der aus Brüssel in die Kälte, nur 800 Kilometer vom Nordpol entfernt, gereiste EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso nannte die Anlage einen „gefrorenen Garten Eden“. Die Friedensnobelpreisträgerin und Umweltschützerin Wangari Maathai aus Kenia trug zusammen mit Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg die erste Kiste voll Saatgut in eine der drei Lagerhallen in einem Bergmassiv nahe des norwegischen Polarstädtchens Longyearbyen. „Es ist fantastisch, dass wir daran mitwirken können, unsere Pflanzen als vielleicht wichtigsten Schatz der Menschheit für die Zukunft zu sichern“, sagte Stoltenberg bei der feierlichen Eröffnung.

Für umgerechnet 6,3 Mill. Euro (50 Mill. Kronen) hat die Osloer Regierung drei Hallen samt Zugang in einen permanent von Frost gekühlten Berg bohren und sprengen lassen. Zusätzliche Kühlaggregate halten die Temperatur auf minus 18 Grad. Fallen sie aus, bleibt es durch den natürlichen Permafrost (Dauerfrost) im Stein immer noch so kalt, dass die gigantische Samensammlung nicht auftaut. In regelmäßigen Abständen sollen aus allen Ländern neue Samenproben geschickt werden, damit die „Genbank“ für alle Zeiten funktionsfähig bleibt.

Angelegt ist das Lager in einer Höhe von 130 Metern, damit selbst Überschwemmungen von kaum vorstellbaren Dimensionen keinen Schaden anrichten können. Ein bisschen an Bizarres aus James-Bond-Filmen erinnert auch die stolze Mitteilung der Konstrukteure, dass ihre Samenbank sicher gegen Atomkriege sowie direkte Raketenangriffe konstruiert ist. Gesichert und überwacht wird die Anlage in Sichtweite des Polarmeeres durch unzählige Bewegungsmelder und Videokameras vom benachbarten Flugplatz Longyearbyen aus. Die Technik schließt auch aus, dass sich jemand allein Zutritt verschaffen kann.

Alles eben ein bisschen wie bei James Bond und dem legendären Fort Knox mit den Goldreserven der USA. Dabei gilt die Hauptsorge der Experten weder bösen Terroristen noch globalen Katastrophen im Stil des „Jüngsten Tages“. Vielmehr verschwinden schon jetzt immer mehr Nutzpflanzen aus Nachlässigkeit, oder weil den Bauern die Mittel zu ihrer Erhaltung fehlen. Auf diese Weise sind in den vergangenen Jahren in Asien allein 70 000 Reis-Arten für immer verschwunden. Ab sofort nun können mit der Artenerhaltung beschäftigte Wissenschaftler aus allen Ländern der Welt Kopien ihrer eigenen Samensammlungen nach Spitzbergen schicken.

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