Umwelt
Scharfe Proteste gegen Islands Finnwal-Jagd

Die Tötung des ersten Finnwals durch isländische Walfänger seit 17 Jahren hat bei Umweltschützern scharfe Proteste ausgelöst. Der World Wide Fund for Nature (WWF) verlangte, die Bundesregierung müsse gemeinsam mit den europäischen Partnern für eine Durchsetzung des Walfangverbots sorgen.

dpa HAMBURG/REYKJAVIK. Die Tötung des ersten Finnwals durch isländische Walfänger seit 17 Jahren hat bei Umweltschützern scharfe Proteste ausgelöst. Der World Wide Fund for Nature (WWF) verlangte, die Bundesregierung müsse gemeinsam mit den europäischen Partnern für eine Durchsetzung des Walfangverbots sorgen.

„Es kann nicht sein, dass man ein Abkommen zum Schutz der Wale hat, und einzelne Länder machen trotzdem, was sie wollen“, sagte WWF-Artenschutzexperte Volker Homes dem Saarländischen Rundfunk. Isländische Medien berichteten am Montag, das Fleisch des am Wochenende erlegten Finnwals solle nach Japan verkauft werden. Über den Preis gab es zunächst keine Informationen.

Island hatte kürzlich nach zwei Jahrzehnten die Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs angekündigt und dafür zunächst 30 Zwerg- sowie neun Finnwale zum Abschuss freigegeben. In Island selbst gibt es nach Angaben von Umweltorganisationen allerdings kaum einen Markt für Walfleisch. „Mit den Finnwalen lässt sich in Fernost das große Geld machen“, sagte die Sprecherin des Verbands Pro Wildlife, Sandra Altherr. Island, Japan und Norwegen hätten im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens dem Handelsverbot für Großwale widersprochen und könnten deshalb untereinander Walprodukte handeln. Island war zudem 2002 der Internationalen Walfangkommission (IWC) nur mit Vorbehalten gegen das Walfangmoratorium beigetreten und fühlt sich daher an das Verbot nicht gebunden.

Das Fleisch der bisher zu angeblich wissenschaftlichen Zwecken gejagten Zwergwale, der kleinsten der sieben Großwalarten, gelte jedoch als stark belastet, erläuterte Altherr. Finnwale seien dagegen meist weniger belastet. Die nach den Blauwalen größten Wale ernähren sich nicht wie Zwergwale von Fisch, sondern von Krill und haben daher eine viel kürzere Nahrungskette. Altherr bezeichnete die seit 2003 von Island angeblich zu wissenschaftlichen Zwecken praktizierte Jagd auf Zwergwale als „perfide Salamitaktik, um die Reaktion der Welt zu testen“. Pro Wildlife forderte Politiker und Verbraucher zu Boykottmaßnahmen gegen Island auf.

Der Kieler Meeresbiologe Stefan Ludwig sagte in einem dpa- Gespräch, Islands Wiederaufnahme der kommerziellen Jagd auf Finnwale könne höheren Fangquoten Tür und Tor öffnen. Nach IWC-Schätzungen gebe es 16 000 Finnwale im Bereich von Island und Ost-Grönland. „Mit Blick auf diese Population scheint die angekündigte Jagd auf neun Finnwale zunächst keine Auswirkungen zu haben. Es könnte aber längerfristig ein Problem werden, wenn die Isländer versuchen, die Fangquoten zukünftig weiter zu erhöhen.“ Finnwale hätten wie generell alle Großwale eine niedrige Geburtenrate.

Der Internationale Tierschutzfonds (Ifaw) betonte, die isländische Tourismusindustrie fürchte wirtschaftlichen Schaden. So habe der Verband der Walbeobachtungsanbieter betont, dass allein dieser Wirtschaftszweig heute einen Jahresumsatz von rund 20 Mill. Euro erreiche - sieben bis acht Mal soviel wie der Walfang in den 1980er Jahren. Auch Ludwig sagte: „Ökonomisch macht es aus meiner Sicht keinen Sinn. Es ist anzunehmen, dass das Fleisch vermarktet werden soll. Für alle anderen Produkte, die aus Walen gewonnen werden könnten, gibt es heute keinen Markt mehr. Sie können besser und billiger synthetisch hergestellt werden.“

Der Geschäftsführer der Welttierschutzgesellschaft (Wspa) in Deutschland, Martin Riebe, kritisierte den Walfang als besonders grausam. „Wale sind Säugetiere, die Schmerzen empfinden“, betonte er. „Eine Sprengstoff-Harpune bohrt sich in den Körper der Meeressäuger, reißt dabei eine 20 Zentimeter große Wunde in die Walhaut und explodiert im Körperinneren.“ Mehr als die Hälfte der Tiere überlebten zunächst die Explosion, ihr Todeskampf dauere wenige Minuten bis eine Stunde. „Das ist grausame Tierquälerei, die durch nichts zu rechtfertigen ist.“

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