Umwelt
Vogelforscher warnen vor dramatischem Artensterben

Vogelkundler haben vor einem dramatischen Artensterben in der Vogelwelt gewarnt. „Wir haben eine Krise der Vielfalt“, sagte Jaques Blondell, Präsident des 24. Internationalen Ornithologenkongresses (IOC), zum Auftakt der Tagung in Hamburg.

dpa HAMBURG. Vogelkundler haben vor einem dramatischen Artensterben in der Vogelwelt gewarnt. „Wir haben eine Krise der Vielfalt“, sagte Jaques Blondell, Präsident des 24. Internationalen Ornithologenkongresses (IOC), zum Auftakt der Tagung in Hamburg.

Schätzungen der Experten zufolge sind rund 2 000 der weltweit 10 000 Vogelarten in ihrem Bestand gefährdet. „Wir beobachten eine dramatische Geschwindigkeit in der Aussterberate“, fügte IOC-Generalsekretär Franz Bairlein hinzu. Im Jahr 2005 sind den Experten zufolge 175 Vogelarten neu zu den gefährdeten Arten dazu gezählt worden. „Das ist die höchste Zahl, die je genannt worden ist“, sagte der frühere IOC-Präsident Peter Berthold.

Nicht nur seltene Arten seien aber bedroht, sondern auch Vögel, die noch vergleichsweise häufig anzutreffen seien, betonte Bairlein. In Deutschland beispielsweise habe sich in den vergangenen 50 Jahren die Zahl der Stare um rund 75 Prozent, die Zahl der Feldlerchen um 50 Prozent reduziert. „Da sind Mill. Individuen verloren gegangen. Das muss uns mehr alarmieren, als wenn in Australien irgendein seltenes Rotkehlchen fehlt“, sagte er. Berthold betonte, in Asien, Nordamerika und Regenwald-Gebieten sei die Lage besonders ernst.

Schuld an der Bedrohung der Vogelwelt ist den Experten zufolge vor allem der Mensch. „Die wichtigste Ursache für das Artensterben liegt in der Landwirtschaft“, sagte Berthold. Ein wesentliches Problem sei etwa die radikale Unkrautvernichtung. Weitere Faktoren sind dem Ornithologen zufolge Verkehr, Tourismus und die Abholzung von Wäldern. „Wir nehmen den Vögeln den Lebensraum“, betonte Berthold. Außerdem stehe die Vogelwelt angesichts des Klimawandels überall auf der Welt vor großen Veränderungen.

Angesichts der Krise forderten die Vogelkundler entschlossenes politisches Handeln: „In Deutschland wissen wir ziemlich genau Bescheid über miese Populationsraten. Es krankt daran, dass die Politiker unsere Erkenntnisse gar nicht umsetzen“, kritisierte Berthold. „Wenn wir beispielsweise zehn Prozent Unkraut-Toleranz hätten, dann gäbe es auch wieder das Rebhuhn auf den Feldern.“

Bei dem Kongress beraten noch bis zum 19. August mehr als 1 300 Ornithologen über neuste Forschungsergebnisse der Vogelkunde. Neben dem Artenschutz stehen etwa auch der Einfluss des Klimawandels sowie die Orientierung von Vögeln an Magnetfeldern im Mittelpunkt der Diskussion. Überlappend findet vom 17. bis 21. August die Jahresversammlung der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft in Hamburg statt.

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