Umweltstudie sieht ungenutztes Potenzial für viele Kommunen
Wasserrad im Kanal erzeugt Strom

Wer in Aachen die Toilettenspülung ein wenig zu lange betätigt, muss kein schlechtes Gewissen haben. Denn er trägt damit zur Stromerzeugung bei: Seit November vergangenen Jahres dreht sich in der städtischen Kanalisation unter dem Hohenzollernplatz ein Wasserrad. Angetrieben wird es mit Abwasser, das an diesem Punkt des Kanalsystems rund 14 Meter in die Tiefe hinabstürzt.

AACHEN. Die Idee, das Energiepotenzial des Abwassers zu nutzen, hatten Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Wasser- und Abfallwirtschaft (FIW). Da die Stadt Aachen ohnehin das so genannte Absturzbauwerk unter dem Platz umbauen wollte, installierte das FIW in Kooperation mit Ingenieurbüros ein rund sechs Meter großes Wasserrad samt Generator. Finanziert hat das 215 000 Euro teure Projekt das Ministerium für Umwelt, Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) Nordrhein-Westfalen.

„Wir haben uns erst einmal für ein kleines Demonstrationsvorhaben entschieden“, sagt Projektleiter Karl Billmaier, „denn vor uns hat noch niemand etwas Derartiges versucht.“ Zwar gibt es in Deutschland einige hundert Wasserräder, doch seit es leistungsstarke Turbinen gibt, ist die Technologie in Vergessenheit geraten. „Zu Unrecht“, sagt Gerald Mueller, Abwasserexperte der Queen’s University in Belfast. Wasserräder werden schon längst nicht mehr aus Holz, sondern aus widerstandsfähigen Materialien wie zum Beispiel Stahl gebaut. Solche modernen Räder könnten laut Mueller als sehr effiziente Energiewandler für niedrige Fallhöhen genutzt werden. Turbinen seien dafür zu teuer, zudem seien sie nicht so robust wie Wasserräder.

Aus diesem Grund haben sich die FIW-Forscher auch für das Rad entschieden. „Wenn es mal durch Feststoffe blockiert ist, erzeugt es zwar keinen Strom mehr, aber das Abwasser kann trotzdem ablaufen“, erläutert Billmaier die Wahl. „Bei einer Turbine gibt es dann gleich einen Rückstau.“ Die Schaufeln des Rads haben sich bisher immer selbstständig freigeschleudert, wenn mal etwas hängen geblieben ist. Daher sei Wartungsaufwand wesentlich geringer als vermutet.

Außerdem kann das Rad Abwasserfluten von 150 Litern pro Sekunde verkraften – es kommt aber auch mit 30 Litern aus. Allerdings gab es auch Probleme bei dem unterirdischen Projekt. Die Wissenschaftler haben es in der Kanalisation mit ganz anderen Bedingungen zu tun als an der Oberfläche. Die Legierung auf dem Stahlrad ist zwar korrosionsarm, sie fing aber dennoch an zu rosten.

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