Umwelttechnik: Zeitenwende bei der Bioenergie

Umwelttechnik
Zeitenwende bei der Bioenergie

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Für industrielle Anwendungen muss es viel schneller gehen. So helfen die Forscher den Pilz-Enzymen auf die Sprünge, indem sie Abfälle wie Stroh, Holz, Getreidespelzen oder Blätter erhitzen und etwas Säure zugeben. Der Cocktail aus Pilzenzymen löst selbst die stabilste Verknüpfung. Anschließend liegen Holz und Stroh fein säuberlich gespalten in Form verschiedener Zuckerarten vor.

Während die Glukose mühelos in Bioraffinerien zum Treibstoff Bioethanol vergoren werden kann, versagen klassische Hefen bei Zuckern wie Xylose oder Arabinose. Zu viel Biomasse blieb ungenutzt.



Ein Hefestamm, der beides Kann

Die Lösung, die das DSM-Team in Delft gerade fertig entwickelt hat, ist ein Hefestamm, der beides kann: sowohl Glukose als auch alle anderen Zucker verdauen. "All you can eat " nennen sie die neue Hefe. Zusammen mit den Pilzenzymen bietet das Unternehmen das neue Bioabfall-Verdauungspaket jetzt Kunden wie Biokraftstoffherstellern an. Nur das letzte Drittel der Biomasse, das Lignin, können die Hefen noch nicht knacken.

Eine Lösung, den widerspenstigen Stoff dennoch zu nutzen, haben die beiden deutschen Forscher Jürgen Pfitzer und Helmut Nägele gefunden. In ihrem Unternehmen Tecnaro im schwäbischen Ilsfeld mischen sie Lignin mit Harzen und Naturfasern wie Flachs, sodass eine Art flüssiges Holz entsteht. Ihr Arboform genanntes Material lässt sich wie ein aus Erdöl hergestellter Kunststoff verarbeiten - zu Spielzeugen, Möbeln oder der Innenausstattung von Fahrzeugen. Selbst Särge sind kein Problem: Das Flüssigholz ist vollständig kompostierbar. Gerade gewannen Nägele und Pfitzer den Europäischen Erfinderpreis des Europäischen Patentamtes. Inzwischen zählen Porsche und Mercedes zu den Tecnaro-Kunden.

Einen ähnlichen Boom wie das Flüssigholz erlebt derzeit auch das Chitosan: Ein Kunststoff, der aus Chitin hergestellt wird. Das ist die harte Substanz der Panzer, Scheren und Beine von Krabben. Sie macht rumd 60 Prozent des Gewichts der Krustentiere aus und landet bisher beim Pulen der Tiere auf dem Müll. Jedes Jahr sind das alleine in Deutschland geschätzte 5 000 Tonnen.

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  • Keine Lesermeinung, sondern eine Korrektur: biolog sitzt nicht in Landsberg am Lech (Oberbayern), sondern in Queis, einem zu Landsberg im Saalekreis (Sachsen-Anhalt) eingemeindeten Ort.

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