Umwelttechnik: Zeitenwende bei der Bioenergie

Umwelttechnik
Zeitenwende bei der Bioenergie

  • 1

Andreas Heppe, Chef der Firma BioLog in Landsberg am Lech, ist einer der Chiosan-Pioniere. Er fertigt aus den Schalenbergen den Kunststoff, der hauchdünne Klarsichtfolien ergibt, die an Zellophan erinnern. Anders als Kunststoffe aus Erdöl kann er sogar gegessen werden und ist biologisch abbaubar. Heppe betreibt inzwischen Fabriken in China, Saudi-Arabien und Thailand. Zurzeit baut er eine weitere in Kanada. Nächstes Ziel ist Ecuador. 50 Tonnen Chitosan holt Heppe jährlich aus dem Meeresmüll und erwirtschaftet 700 000 Euro damit.

Dabei profitiert er von einem globalen Trend: Früher waren Krabben Luxus. Heute sind sie ein normales Nahrungsmittel, das immer mehr Menschen in immer größeren Mengen essen. Neben der Zellulose für die Papier- und Zellstoffgewinnung ist Chitin einer der wenigen mengenmäßig bedeutenden nachwachsenden Rohstoffe.

Und noch eine Entwicklung kommt der Branche zupass: Ursprünglich wurde Chitosan vor allem als Lebensmittelzusatzstoff vermarktet. Doch inzwischen erobert es immer mehr Einsatzgebiete von klassischen Kunststoffen, etwa als Beschichtung für Papier und Gewebe, die dann reißfester werden und sich besser bedrucken lassen. Der ungiftige Kunststoffüberzug könnte auch heimische Hölzer wetterfest machen. Tropenhölzer für Terrassenmöbel ließen sich damit zurückdrängen, die oft auf Kosten des Urwaldes geschlagen werden.

Gut 200 verschiedene Anwendungen sind bereits etabliert. Und es werden ständig mehr. So reinigt der Krabbenkunststoff neuerdings Wasser von Schwer- metallen und Algen - etwa in Swimmingpools. Chitosan bindet aber auch bis zum 800-fachen seines Eigengewichtes an Öl und könnte die Ölpest im Golf von Mexiko eindämmen helfen. Noch sind konventionelle Materialien aber preiswerter.

Auch in der Kosmetik hält der Krabbenkunststoff Einzug. In gelöster Form wirkt Chitosan wundheilend und antibakteriell. Damit kommt die Substanz schon recht nahe an die Spinnenseide heran, die neuerdings als biotechnischer Nachbau hergestellt wird.

Chitosan wird bei Heppe und anderen Herstellern mit einem chemischen Verfahren gewonnen. Konkurrent Arno Cordes, Chef der ASA Spezialenzyme GmbH in Wolfenbüttel, will die Produktion auf ein biotechnologisches Verfahren umstellen, das umweltfreundlicher sein soll als die bisherige Prozedur. Gemeinsam mit Forschern der Universität Bremen sucht er Pilze oder Bakterien, die aus dem Abfall Chitin Chitosan machen.

Kommentare zu " Umwelttechnik: Zeitenwende bei der Bioenergie"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Keine Lesermeinung, sondern eine Korrektur: biolog sitzt nicht in Landsberg am Lech (Oberbayern), sondern in Queis, einem zu Landsberg im Saalekreis (Sachsen-Anhalt) eingemeindeten Ort.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%