UN
8. Artenschutzkonferenz kein großer Erfolg

Die 8. UN-Konferenz über Biologische Vielfalt (CBD) ist in Brasilien am späten Freitagabend (Ortszeit) nach vorherrschender Teilnehmermeinung ohne nennenswerte Abkommen zu Ende gegangen.

dpa CURITIBA. Die 8. UN-Konferenz über Biologische Vielfalt (CBD) ist in Brasilien am späten Freitagabend (Ortszeit) nach vorherrschender Teilnehmermeinung ohne nennenswerte Abkommen zu Ende gegangen.

Beim Schutz der Artenvielfalt habe die Staatengemeinschaft stark auf die Bremse getreten, bedauerte die Umweltstiftung WWF am Samstag im südbrasilianischen Tagungsort Curitiba. Der Mangel an politischem Willen und an Finanzierungszusagen habe den Fortschritt der Konvention stark verlangsamt. Das Treffen sei auf ganzer Linie gescheitert, klagte derweil die Umweltschutzorganisation Greenpeace.

„Der Enthusiasmus, der auf lokaler und regionaler Ebene gezeigt wird, um den Artenschwund aufzuhalten, ist immens - aber ohne die nötigen Mittel können keine Fortschritte erzielt werden. Bei der nächsten Konferenz 2008 in Deutschland muss die Bundesregierung als Gastgeberland mit gutem Beispiel vorangehen und die Geldbörse weit aufmachen“, forderte WWF-Experte Roland Melisch.

Enttäuscht äußerten sich auch Sprecher von Entwicklungsländern, die den größten Teil der weltweiten Artenvielfalt besitzen. Die brasilianische Umweltministerin Marina Silva, Präsidentin der CBD bis 2008, zog dennoch eine positive Bilanz. Sie würdigte die Vereinbarung, bis 2010 ein internationales System in Kraft treten zu lassen, das den Zugang zu Bioressourcen sowie die Verteilung der Nutzen der Biodiversität für alle 188 Vertragsstaaten verbindlich regeln soll. Dabei geht es unter anderem um Gewinne, die etwa die Pharmaindustrie aus dem Wissen von Ureinwohnern zieht.

„Bisher ist nicht klar, wie umfassend die Vereinbarung am Ende sein wird: Werden nur die Pflanzen selbst oder auch deren Produkte beim Schutz gegen Biopiraterie mit eingeschlossen? Der Beschluss hat somit noch Schlupflöcher im Verhandlungsmandat“, kritisierte Greenpeace-Delegationsleiter Martin Kaiser auf Anfrage. Finanz- und Handelsminister hätten Fortschritte zur dringenden Finanzierung und zur Einschränkung des umweltschädlichen Freihandels blockiert.

Der Abteilungsleiter Naturschutz im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, zeigte sich verhalten: „Der Prozess ist erschreckend langsam“, sagte das Mitglied der Deutschen Delegation. Dennoch sieht Flasbarth eine gute Verhandlungsbasis für die Konferenz in Deutschland: „Es sind keine Türen verschlossen worden.“

Greenpeace beschuldigte Australien, Neuseeland und Kanada, in Curitiba unter dem Druck der nicht zur CBD gehörenden USA durchgesetzt zu haben, dass es im Kampf gegen Biopiraterie keine Zeitlimits geben werde. „Damit wollen sich diese Länder Zeit erkaufen, in der ihre Pharma- und Gentechnikkonzerne sich im Rahmen der Welthandelsorganisation Patente auf Pflanzen und genetische Ressourcen sichern können“, sagte Kaiser.

Die drei CBD-Hauptziele sind Artenschutz, nachhaltige wirtschaftliche Nutzung der Natur sowie gerechte und ausgewogene Verteilung der Gewinne aus der Artenvielfalt. Die „Convention on Biological Diversity“ wurde bei der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro beschlossen. Zehn Jahre später wurde in Johannesburg vereinbart, die Geschwindigkeit des Artensterbens bis 2010 „deutlich zu reduzieren“.

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