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Echo auf UN-Klimabericht: Größte Sünder spielen auf Zeit

Der neue Klimabericht der Vereinten Nationen ist weltweit auf ein geteiltes Echo gestoßen.

dpa BERLIN/HAMBURG. Der neue Klimabericht der Vereinten Nationen ist weltweit auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während sich Staaten wie Deutschland, Spanien oder Japan bereits ernsthaft Gedanken um die Auswirkungen des Klimawandels machten, zeigten sich die größten Umweltsünder wie etwa Australien oder China von dem Bericht unbeeindruckt oder spielten auf Zeit.

Der am Freitag veröffentlichte zweite Teil der Studie warnt unter anderem vor immer mehr Hungersnöten in Afrika und Asien auf Grund der Erderwärmung. Außerdem drohe vielen dicht besiedelten Küstengebieten eine dauerhafte Überflutung durch den Anstieg des Meeresspiegels.

Nach Ansicht von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) muss die internationale Gemeinschaft wegen des Klimawandels ihre Hilfen für die Entwicklungsländer ausweiten. In Deutschland selbst müsse neben der Diskussion über einen geringeren Kohlendioxid-Ausstoß auch über Maßnahmen nachgedacht werden, um den künftigen veränderten Lebensbedingungen zu begegnen, sagte Gabriel dem Sender NDR Info. Auch das Umweltbundesamt warb für eine Anpassungsstrategie: „Im Küstenschutz haben wir es vorgemacht, nun müssen andere Bereiche folgen, wie Raum- und Stadtplanung, Gesundheitswesen, Naturschutz und Finanzwirtschaft“, sagte der Präsident der Behörde, Andreas Troge.

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas forderte mehr Engagement: „Die Klimaschutzziele der Europäischen Union können nur dann durchgesetzt werden, wenn mit Deutschland auch die größte Volkswirtschaft Europas mitzieht“, sagte Dimas der „Welt“ (Samstag). „Auch die deutsche Autoindustrie kann noch mehr tun: Die Zukunft liegt in Energie sparenden und umweltfreundlichen Autos und nicht in großen Fahrzeugen, die Energie verschwenden.“

Um den Bürgern Orientierungshilfe beim Autokauf zu geben, will Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) noch in diesem Jahr einen verbindlichen Klima-Pass für alle Neufahrzeuge einführen. Der „Bild“-Zeitung (Samstag) sagte der Minister, damit werde Aufschluss darüber gegeben, wie viel klimaschädigendes Kohlendioxid (CO2) ein Auto ausstoße und in welchem Verhältnis der Ausstoß zur Nutzlast stehe.

Das Bundesumwelt- und das Bundeswirtschaftsministerium verständigten sich indes darauf, Anreize für den Bau neuer Kraftwerke mit moderner Technik zu schaffen. Gabriel sagte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Samstag): „Wir werden in Deutschland weiterhin Braunkohle nutzen, weil wir auf die auch nicht verzichten können. Aber wir werden sie nicht privilegieren.“ Stattdessen werde es eine Umverteilung zu Lasten der alten und CO2-intensiven Anlagen und zu Gunsten effizienterer Kraftwerke geben.

Der frühere Umweltminister und Chef des UN-Klimaprogramms, Klaus Töpfer, kritisierte in der „Welt am Sonntag“ einen „erheblichen Widerspruch zwischen Anspruch und Handeln“ in der deutschen Klimapolitik. Mit durchschnittlich zehn Tonnen Kohlendioxid pro Jahr erzeuge jeder Deutsche zwar nur halb so viel klimaschädliche Gase wie die Amerikaner. Deutschland läge aber dennoch in der Spitzengruppe der Staaten mit dem höchsten Ausstoß an Klimakillern.

Auf internationaler Ebene will sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dafür einsetzen, „möglichst alle Staaten in die Verantwortung für den Klimaschutz einzubinden“. Sie werde das Thema auch beim G-8- Gipfel im Juni ansprechen, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“.

Anhaltender Widerstand zeichnet sich in den USA, China und Australien ab. China - nach den USA der weltgrößte CO2-Produzent - will sich offenbar erst von 2013 an aktiv an den Gesprächen für ein internationales Rahmenwerk zur Bekämpfung der Klimaerwärmung beteiligen. Das Riesenreich ist - wie Indien und zahlreiche Entwicklungsländer - von den Auflagen zur Verringerung der Treibhausgase im Kyoto-Protokoll ausgenommen. Unbeeindruckt vom Klimabericht zeigte sich auch Australien als einer der größten Umweltsünder im pazifischen Raum. Premierminister John Howard sah in dem Bericht „wenig Neues“ und bekräftigte das Nein seiner Regierung zum Kyoto-Protokoll.

In den USA wollen die Demokraten im US-Repräsentantenhaus noch bis Ende dieses Jahres gesetzlich eine Begrenzung der CO2-Emissionen für die US-Industrie durchsetzen. Sie kritisieren die ihrer Ansicht nach lasche Reaktion der US-Regierung von Präsident George W. Bush auf die jüngsten, alarmierenden UN-Klimaberichte.

Konkrete Maßnahmen wegen der drohenden Klimaerwärmung kündigte dagegen Japan an. Dort sollen neue Reissorten entwickelt werden, die Hitze besser vertragen und mit weniger Wasser auskommen. Die spanische Regierung will noch im Sommer einen Anpassungsplan verabschieden, weil ihr Land im UN-Bericht als besonders anfällig und verwundbar bezeichnet wird.

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