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Experten wollen CO2 tief in der Erde speichern

Kohlendioxid aus Kraftwerken und Fabriken kann nach einem Bericht des UN-Klimarates in tiefen Erdschichten gespeichert werden. Dabei soll das Treibhausgas aus den Abgasen abgefangen und in unterirdische Hohlräume wie etwa leere Öl- und Gaslager gepumpt werden.

dpa MONTRéAL. Kohlendioxid aus Kraftwerken und Fabriken kann nach einem Bericht des UN-Klimarates in tiefen Erdschichten gespeichert werden. Dabei soll das Treibhausgas aus den Abgasen abgefangen und in unterirdische Hohlräume wie etwa leere Öl- und Gaslager gepumpt werden.

Mit dieser Art der Kohlendioxid-Speicherung sei jedoch frühestens in etwa 30 Jahren in größerem Umfang zu rechnen, teilte der wissenschaftliche UN-Klimarat (Ipcc) mit, der am am Mittwoch (Ortszeit) auf der Welt-Klimakonferenz in Montréal einen umfassenden Report dazu präsentierte.

Auch die EU hat ein eigenes Forschungsprogramm aufgelegt, um das Potenzial dieser Technik und etwaige gesetzliche Regeln dazu zu prüfen. „Wir meinen, dass es eine vielversprechende Technologie ist, die im Rahmen eines Korbes verschiedener Maßnahmen eine wichtige Rolle spielen kann“, sagte ein EU-Delegationsmitglied am Donnerstag. Langfristig hätten erneuerbare Energien mehr Potenzial, um dem Klimawandel zu begegnen, man müsse aber an verschiedenen Seiten ansetzen.

Die Methode sei sehr energieaufwendig, erläuterte Klimaexperte Manfred Treber von der Umweltorganisation Germanwatch. Bei der Technik wird Kohlendioxid zunächst abgeschieden und dann zumeist auf eine hohe Dichte zusammengepresst, damit es flüssig wird. „Ganz klar haben erneuerbare Energien und eine verbesserte Energieeffizienz für uns absolute Priorität“, betonte Treber. Es könne jedoch sein, dass diese Verfahren nicht ausreichen, um die Erderwärmung auf ein erträgliches Maß zu bremsen. „Im Fall, dass dies nicht schnell genug geht, müssen wir den Joker Kohlendioxidspeicherung ziehen.“

Es sei sehr wahrscheinlich, dass das Kohlendioxid innerhalb von 100 Jahren zu 99 Prozent in den unterirdischen Speichern erhalten bleibe, sagte Wolfgang Heidug vom Ölkonzern Shell auf der Ipcc- Pressekonferenz in Montréal. Wahrscheinlich bleibe es sogar innerhalb von 1 000 Jahren zu 99 Prozent erhalten. Das genüge Germanwatch jedoch nicht, da es sich um riesige Mengen Kohlendioxid handle, erläuterte Treber.

Je nach künftigen Kosten für eine Tonne Kohlendioxid-Ausstoß und der Weiterentwicklung von alternativen Energien kann sich die Speicherung in tiefen Erdschichten finanziell lohnen. Voraussetzung ist allerdings ein politischer Druck zur Treibhausgasverringerung, wie er etwa vom Kyoto-Protokoll ausgeht. Keine Lösung - da sind sich die meisten Experten einig - ist die Kohlendioxid-Speicherung im Ozean beziehungsweise am Meeresgrund, weil die Folgen noch nicht absehbar sind.

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