UN
Klimaforscher: Folgen der Erwärmung bereits stärker als erwartet

Der Klimawandel hat nach Auskunft des Klimaforschers Hans-Martin Füssel heute schon stärkere Auswirkungen als ursprünglich erwartet. „Viele Effekte sind früher eingetreten als vorhergesagt“, sagte der Mit-Herausgeber des UN-Klimaberichts in einem dpa-Gespräch.

dpa POTSDAM/BRüSSEL. Der Klimawandel hat nach Auskunft des Klimaforschers Hans-Martin Füssel heute schon stärkere Auswirkungen als ursprünglich erwartet. „Viele Effekte sind früher eingetreten als vorhergesagt“, sagte der Mit-Herausgeber des UN-Klimaberichts in einem dpa-Gespräch. „Wir haben aus allen Weltregionen Beobachtungen über die Auswirkungen des Klimawandels.“

Allein in Europa zeigten mittlerweile 30 000 Datenreihen deutliche Änderungen bei Tieren und Pflanzen. „Pflanzen blühen früher, und Wärme liebenden Arten wandern in neue Regionen ein“, sagte der Wissenschaftler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Die globale Erwärmung habe auch bereits negative Auswirkungen auf den Menschen. „Paradebeispiel ist die Hitzewelle im Sommer 2003, die zumindest zum Teil auf den Klimawandel zurückzuführen ist, und die in Europa zu zigtausenden Todesfällen geführt hat.“

Die Europäer müssten sich auf häufigere Wetterextreme einstellen, betonte Füssel. „Europaweit wird eine Zunahme von Hitzewellen und Überflutungen erwartet. In Mittel- und Osteuropa wird es stärkere Hochwasser während der Schneeschmelze geben, in Südeuropa eine Zunahme von Dürreperioden sowie eine Verlängerung der Waldbrandsaison.“ Durch den steigenden Meeresspiegel sei mit stärkerem Küstenhochwasser zu rechnen und durch vermehrte Starkniederschläge mit vermehrten Flusshochwassern.

Besondere Gefahren bestünden für viele Tiere und Pflanzen in Gebirgsregionen, die bei einer Erwärmung nur begrenzt in größere Höhen ausweichen können. „Bei einem unvermindertem Ausstoß von Treibhausgasen wird am Ende dieses Jahrhunderts mehr als die Hälfte der heute vertretenen Tier- und Pflanzenarten in vielen Gebirgsregionen Europas keine Lebensgrundlage mehr haben“, sagte Füssel.

Zwar könne es in manchen Regionen auch positive Effekte des Klimawandels geben. „Bei der Landwirtschaft ist vor allem in Nordeuropa eine Zunahme des Potenzials zu erwarten.“ In Deutschland könnte der Tourismus an den Küsten profitieren. „Ein weiterer Bereich, in dem positive Auswirkungen erwartet werden, sind kältebedingte Krankheiten - von Erfrierungen bis Grippe.“ Die negativen Auswirkungen würden jedoch voraussichtlich überall die positiven überwiegen. „Es gibt keine Region, wo ausschließlich positive Effekte erwartet werden.“

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