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UN-Klimabericht zeigt die Verletzlichkeit des Menschen

Zu große Hitze lässt den Kreislauf des Menschen zusammenbrechen. Der steigende Meeresspiegel vertreibt ihn von Inseln und aus Küstensiedlungen. Stürme und Dürren zerstören seine Ernten, Starkregen viele Dörfer und Städte.

dpa HAMBURG/BRüSSEL. Zu große Hitze lässt den Kreislauf des Menschen zusammenbrechen. Der steigende Meeresspiegel vertreibt ihn von Inseln und aus Küstensiedlungen. Stürme und Dürren zerstören seine Ernten, Starkregen viele Dörfer und Städte.

Zudem kosten solche Folgen des Klimawandels viele Mrd. Euro. Der Mensch ist also an vielen Stellen verletzlich. Der neue Bericht des UN-Klimarates zeigt, wie sehr. In den Bericht haben die Forscher in Brüssel den zweiten Teil ihres aktuellen Klimareports vorgestellt. Das Papier hat die Auswirkungen des Klimawandels zum Thema, die möglichen Anpassungen daran - und eben die „Verletzlichkeit des Menschen“.

Seit der erste Teil des insgesamt vierten UN-Klimareports Anfang Februar alle vernünftigen Zweifel an dem vom Menschen verstärkten Treibhauseffekt vom Tisch fegte, hat sich die Bühne für den Auftritt von Ipcc-Direktor Rajendra Pachauri deutlich gewandelt. Er kann sich der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, der Presse und der Politik sicher sein. Der Erde droht bis Ende des Jahrhunderts im schlimmsten Fall eine Zunahme der Temperatur um bis zu 6,4 Grad Celsius.

Viele Resultate und Argumente der Forscher des Ipcc (Intergovernmental Panel on Climate Change), des zwischenstaatlichen Rats für Klimawandel, sind seit Jahren die selben: Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) und Methan halten eingestrahlte Sonnenwärme auf der Erde zurück und erhitzen die Atmosphäre - mit potenziell katastrophalen Folgen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sieht im Klimawandel eine ebenso große Bedrohung wie in Kriegen.

Aus Vorabversionen des zweiten Teils wurde bekannt, dass sich die Konsequenzen der globalen Erwärmung selbst mit einer deutlichen klimapolitischen Wende nur noch mildern lassen. Der Klimarat rechnet demnach mit mehr Todesfällen, Verletzungen und Erkrankungen durch Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürme, Waldbrände und Dürren. Eine Erwärmung um 0,6 Grad Celsius bis zum Jahr 2 100 sei unabwendbar, schnelles Umsteuern dringend nötig, um eine noch stärkere Temperaturzunahme abzuwenden.

Grundlage der Analyse sind etwa 30 000 Datensätze aus den vergangenen 20 Jahren. Damit fußt auch der zweite Teil des Reports auf einer breiten Datengrundlage - wie zuvor bereits Teil I. Die endgültige Fassung wird erst unmittelbar vor der Veröffentlichung beschlossen. Auch Deutschland drohen empfindliche Konsequenzen.

Die Klimaexperten Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe und Peter Werner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erwarten trocken-heiße Sommer und warm-feuchte Winter. Laufe der Treibhausgasausstoß weiter wie bisher, seien insbesondere im niederschlagsarmen Osten Wasserprobleme garantiert. Dem PIK-Experten Wolfgang Cramer zufolge war bereits der Hitzesommer 2003 mit 30 000 Hitzetoten europaweit zu einem gewichtigen Teil durch den Klimawandel bedingt.

Die Forscher wiederholen ihre immer ähnlich lautenden Warnungen zwar seit vielen Jahren, aber auf der wirklich großen politischen Bühne angekommen ist der Klimawandel erst seit ein paar Monaten. Die Hoffnung ruhen derzeit auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm im Juni: Dort können die Regierungen der reichen Länder einschneidende Einsparungen beschließen. Viele Forscher glauben, dass sich der Temperaturzuwachs noch auf zwei Grad Celsius begrenzen lässt, eine kritische Größe. In den nächsten rund 15 Jahren müsse dafür aber das Maximum des CO2-Ausstoßes erreicht werden - um von da an deutlich verringert zu werden.

Diesen langfristigen Plänen stehen indes andere langfristige Interessen entgegen. Allein in Deutschland sind derzeit 53 große Kraftwerke mit einer Leistung von mehr als 20 Megawatt geplant oder befinden sich bereits im Bau. 42 von ihnen verbrennen Erdgas, Stein- oder Braunkohle, berichtet der Verband der Elektrizitätswirtschaft (Vdew) in Berlin. Solche Kraftwerke sind - wie überall sonst auf der Welt - für eine Laufzeit von mehreren Jahrzehnten ausgelegt. Sie setzen große Mengen CO2 frei.

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