Ungewöhnliche Vulkanforschung
Mit dem Teleskop in den Ätna blicken

Eigentlich soll es kosmische Phänomene wie etwa Schwarze Löcher aufspüren. Doch ein Teleskop in Sizilien könnte auch für Vulkanforscher interessant sein: Es erlaubt einen Blick tief ins Innere des Ätna.

HeidelbergDas Teleskop ASTRI S ST-2M, das gerade auf dem Serra La Nave in Sizilien entsteht, könnte Vulkanologen dabei helfen, das Innere des Ätna zu erforschen. Das zumindest schlagen Wissenschaftler um Melania Del Santo vom Istituto di Astrofisica Spaziale e Fisica cosmica di Palermo vor.

Eigentlich ist das im Bau befindliche Instrument darauf ausgelegt, hochenergetische Gammastrahlen aufzuspüren, die aus fernen Regionen des Kosmos die Erde treffen. Doch mit der gleichen Technologie könnte auch ein Blick durch den Berg gelingen, schreiben die Wissenschaftler.

Das Verfahren macht sich zunutze, dass bestimmte Elementarteilchen, sogenannte Myonen, die irdische Materie durchdringen können, dabei allerdings von Gestein je nach Dichte unterschiedlich stark absorbiert werden. In der Luft erzeugen die Myonen dabei ein blaues Leuchten, die so genannte Tscherenkow-Strahlung

Das sizilianische Teleskop ist darauf ausgelegt, diese Lichtblitze aufzufangen und zu analysieren. Wie die Berechnungen von Del Santo und Kollegen ergaben, könnten mit Hilfe des Teleskops beispielsweise aufsteigendes Magma im Vulkan abgebildet werden, oder auch gasgefüllte Hohlräume mit Durchmessern von 200 Metern.

Die Durchleuchtung von Gegenständen (oder Bergen) mit Myonen ist bereits etablierte Praxis. In der Regel detektiert man dabei jedoch die Teilchen direkt – und sucht sie nicht über den Umweg über die Tscherenkow-Strahlung. Dank der großen Empfindlichkeit ihres Teleskops halten die Forscher jedoch seinen Einsatz für überlegen. Er biete eine Verbesserung um das Zehnfache gegenüber der herkömmlichen Methode.

In der Hauptsache ist das sizilianische Teleskop dazu gedacht, die Tscherenkow-Strahlung von Teilchen zu messen, die entstehen, wenn energiereiche Gammastrahlen auf die Erdatmosphäre treffen. Diese Strahlung geht auf extrem heftige kosmische Phänomene zurück, wie sie zum Beispiel in der Umgebung Schwarzer Löcher auftreten.

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