Ungiftiger Antifouling-Anstrich
Haihaut schützt den Schiffsrumpf

Seit Jahrzehnten werden die Rümpfe von Frachtern mit bioziden Chemikalien versiegelt, um Seepocken, Muscheln und Algen fernzuhalten. Die Gifte dieser Antifoulings bereiten den Meeren jedoch einige Probleme und sind deshalb ab Mitte kommender Woche weltweit verboten. Erste Alternativprodukte gibt es bereits und bis 2009 wollen Bremer Forscher ein weiteres entwickeln. Ihr Vorbild ist die Natur.

BERLIN. Für die Schifffahrt ist das Phänomen mehr als lästig: Seepocken, Muscheln und Algen heften sich an die Rümpfe der Frachter, mitunter in armdicken Schichten. Dieser Bewuchs, Fouling genannt, treibt den Spritverbrauch um bis zu 30 Prozent in die Höhe. Seit Jahrzehnten werden die Kähne deshalb mit wuchshemmenden Schichten versiegelt. Solche Antifoulings vergrätzen die blinden Passagiere mit bioziden Chemikalien.

Doch die Gifte werden in die Meere ausgeschwemmt und bereiten dort neue Probleme. Beispielsweise lässt das hochwirksame Tributylzinn (TBT) weiblichen Wellhornschnecken, männliche Geschlechtsorgane wachsen. Sie können sich nicht mehr vermehren. Seltene Schnecken- und Muschelarten sind durch TBT vom Aussterben bedroht. Die zinnhaltigen Stoffe stehen deshalb seit Jahren auf der roten Liste von Umweltschützern, -behörden und-politikern. Ab Mitte nächster Woche sind sie weltweit komplett verboten.

Spätestens dann müssen die Schiffs- und Bootsbesitzer zu biozidfreien Antifoulingmitteln greifen. Diese gibt es bereits: Silikon- und Teflonschichten verwehren den Meerestieren den Halt. Ab 2009 kommt ein weiteres Produkt auf den Markt, das im Bionik-Forschungslabor der Hochschule Bremen entwickelt wurde. "Die Natur macht uns vor, wie Antifouling funktioniert", sagt Erfinderin Antonia Kesel. Ob Delfine, Miesmuscheln, Robben oder Haie - fast alle Meerestiere können prinzipiell selbst Opfer von Foulern werden. Die Tiere nutzen eine Kombination von mehreren Strategien, um sich die Tramper auf hoher See vom Leib zu halten.

Nicht selten sind neben mechanischen Vorkehrungen gegen den Bewuchs aber auch chemische Abwehrstoffe im Spiel. Einzig die Haut des Katzenhais sei, so Kesel, eine chemikalienfreie Zone. Deshalb hat sie sich dieses Tier zum Vorbild für ihr giftfreies Antifouling genommen. In die Unterhaut des Hais sind scharfe, eng beisammen stehende Zähnchen eingebettet, die gegeneinander beweglich sind. Dieses flexible Stachelschild, rau wie Sandpapier, verhindert, dass sich Organismen dauerhaft an der Haut festkleben.

Kesel hat eine Paste auf Basis von Silikon entwickelt, die mit haarkleinen, unregelmäßigen Körnchen die Zähnchen des Hais imitiert. Nach dem Auftragen bleibt die künstliche Haifischhaut weich und beweglich, so dass sich die Unebenheiten gegeneinander verschieben können und Besiedlern keinen festen Untergrund bieten. "Entscheidend war die richtige Kombination von Mikrorauhigkeit und Elastizität", verrät Kesel ihr Rezept. Hergestellt wird das neue Antifoulingmittel von Vosschemie. Das mittelständische Chemieunternehmen im schleswig-holsteinischen Uetersen hat den Anstrich in Schwarz, Blau, Rot und Weiß auf der diesjährigen Hannover-Messe vorgestellt.

Seite 1:

Haihaut schützt den Schiffsrumpf

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%