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Uni Frankfurt sichert NS-Dokumente im Verfahren gegen Schädelforscher

Die Universität Frankfurt hat Bestände zur Rassenforschung der NS-Zeit aus dem Institut für Anthropologie sicher gestellt. Dazu zählten auch eine Reihe von Unterlagen, die nach einer Meldung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ angeblich vom Schädelforscher Reiner Protsch vernichtet worden seien.

dpa FRANKFURT/MAIN. Die Universität Frankfurt hat Bestände zur Rassenforschung der NS-Zeit aus dem Institut für Anthropologie sicher gestellt. Dazu zählten auch eine Reihe von Unterlagen, die nach einer Meldung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ angeblich vom Schädelforscher Reiner Protsch vernichtet worden seien.

Das teilte Präsident Rudolf Steinberg am Donnerstag mit. Die Sicherung stehe im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen den Professor. Zu den Dokumenten zählen unter anderem „Vaterschaftsgutachten, beantragt von der Reichsstelle für Sippenforschung“ und „Akten zur Sterilisation, veranlasst durch das „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses“. Bislang sei noch nicht klar, ob sie vollständig seien, sagte Steinberg. „Wir können nicht ausschließen, dass Materialien vernichtet worden sind. Das wird aber unsere Einsatzgruppe herausfinden.“

Die universitätsinterne Kommission beschäftigt sich seit August mit dem wissenschaftlichen Fehlverhalten von Protsch, der das Institut für Anthropologie leitete. Er soll bei Datierungen von Knochen teilweise um mehrere zehntausend Jahre daneben gelegen haben. Der Bericht soll im Frühjahr 2005 vorliegen. Gegen Protsch wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Seine Bezüge wurden gekürzt.

Gegen den Professor ermittelt außerdem die Staatsanwaltschaft. Der Anthropologe soll versucht haben, eine der Universität gehörende Sammlung von mehreren hundert Affenschädel-Teilen zu verkaufen. Im Jahr 2000 wurde Protsch zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er zu Unrecht einen zweiten Doktor-Titel geführt hatte.

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