Unter Artenschutz
Käfer werden als Kult-Objekte gehegt

Das Rattern war eigentümlich, und die Heizung machte meist, was sie wollte. Für tausende Deutsche ist der Käfer jedoch vor allem das Auto ihrer ersten Liebe, ihres ersten Urlaubs und ihrer ersten großen Fahrt. Viele wollen bis heute nicht von ihrem Käfer lassen. Das Auto ist zum Sammlerstück geworden - und die Käferkunde zu einer beliebten Wissenschaft.

HB/dpa HAMBURG. Käferliebhaber brauchen wegen des recht hohen Wartungsbedarfs allerhand Geduld. Ersatzteile finden sie bei kleinen Firmen wie der Volkswerkstatt in Berlin. „In einen Käfer kann man alles einbauen, was es gibt“, schwärmt Karosserie- und Fahrzeugbauer Jens Brückner. Im Gegensatz zu aktuellen Autos voller Elektronik sind Käfer robust, ihre Technik ist einfach. Der mit nur vier Schrauben befestigte Motor kann nach Brückners Erfahrung in einer Viertelstunde komplett ausgetauscht werden. Jede Menge Käfer-Bücher geben Tipps für Bastler.

Aus der ehemaligen Käfer-Schmiede von VW in Deutschland kommen zwar kaum noch Ersatzteile. Doch die Teile für luftgekühlte VW Modelle - Käfer, Variant, verschiedene Busse - lassen sich etwa aus Amerika, Dänemark oder Finnland importieren - „die werden dort teilweise noch mit alten Originalmaschinen aus Deutschland hergestellt“, erzählt Brückner.

Heute müssen Autos möglichst pannenfrei laufen - sonst gibt es immer gleich teure Reparaturen und große Scherereien. In Käfer hingegen, beispielsweise in einen Mexico-Käfer von 1983, kann man notfalls auch noch einen Kotflügel von 1953 einbauen. Die dicken Stoßstangen, die Elefantenfuß-Leuchten hinten - Käferfreunde schwärmen von der persönlichen Note ihres „Kugelporsche“. Auf Käfertreffen quer durch die Republik wird gefachsimpelt: Wo gibt es noch Käfer mit Anfang der 50er Jahre üblichen brezelförmigen Rückfenstern (mit senkrechtem Steg) oder mit den danach gebauten, kleineren ovalen Fenstern?

„Die Szene der Käferbesitzer heute besteht vor allem aus Leuten, die das schon seit Jahren machen“, sagt Henry Hackerott, Organisator des Maikäfer-Treffens in Hannover, auf dem sich jährlich zum 1. Mai mehrere tausend Käfer-Besitzer und -Händler aus ganz Europa treffen. Viele sind mit ihrem in den 60ern gekauften Käfer älter geworden und haben seither ein Vielfaches des ursprünglichen Kaufpreises in ihr Schätzchen gesteckt.

So wurde der Käfer in den vergangenen Jahren immer mehr zum Kultobjekt. Eines der begehrten Cabrios kostet heute rund 10 000, andere funktionstüchtige Käfer um die 6000 €, billigere gelten als wenig zuverlässig.

„Junge Leute kaufen sich kaum Käfer“, sagt der Berliner Karosseriebauer Brückner allerdings. In jungen Szenevierteln der Großstädte, wo ansonsten Möbel und Mode der 60er und 70er hoch im Kurs stehen, ist die Käferdichte eher gering - wenn im Internet mittlerweile auch wieder Führerscheinneulinge nach einem günstigen Käfer suchen. Zum Italienurlaub, wie anno 1965, nimmt heute kaum noch jemand einen Käfer mit, ist er doch auf der Autobahn eher lahm und auch meist nicht gerade abgasarmen.

Damals machte man sich über Abgase freilich wenig Sorgen, sondern freute sich über die erste große Tour, den Fahrtwind und den zu allen Abenteuern bereiten Menschen auf dem Beifahrersitz. Schon alleine der schönen Erinnerung wegen stellen viele ihren guten, alten Käfer unter Artenschutz.

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