Unterschätzter Geruchssinn
Wir sind alle Supernasen

Menschennasen sind nicht so mies wie gemeinhin angenommen wird. Der menschliche Geruchssinn wird massiv unterschätzt, meint ein US-Wissenschaftler. Manche Düfte riechen wir sogar besser als Hunde.
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BerlinMenschen haben viel feinere Nasen als oft angenommen. Die verbreitete Meinung vom „schlechten menschlichen Geruchssinn“ gehe auf einen Mythos aus dem 19. Jahrhundert zurück, schreibt der US-Forscher John McGann im Fachjournal „Science“.

Der Neurologe der Rutgers University in New Brunswick hat zahlreiche jüngere Studienergebnisse in einem Überblicksartikel zusammengefasst. Ergebnis: Menschliche Nasen sind chronisch unterschätzt. Tatsächlich können wir schnuppernd Spuren verfolgen, und manche Düfte riechen wir sogar besser als Hunde.

„Der Geruchssinn von Menschen ist genauso gut entwickelt wie der von anderen Säugetieren, etwa Nagern oder Hunden“, so McGann. „Hunde sind vermutlich besser als Menschen darin, Urinspuren an einem Hydranten zu unterscheiden. Dafür können wir die verschiedenen Duftnoten guter Weine besser auseinanderhalten.“

Ausgangspunkt für den Mythos von der schlechten Nase des Menschen bildete laut McCann die Arbeit des französischen Anthropologen Paul Broca. Der hatte im 19. Jahrhundert festgestellt, dass beim Menschen das Riechzentrum im Gehirn relativ gesehen kleiner ist als etwa bei Mäusen.

Aber neue Studien weisen darauf hin, dass der Bulbus olfactorius im Gehirn – der sogenannte Riechkolben – die Ausnahme von der Regel darstellt, dass die relative Größe eines Hirnteils Rückschlüsse auf seine Leistungsfähigkeit zulässt. Zudem sei, so McCann, die Zahl der Nervenzellen im Riechzentrum über Speziesgrenzen hinweg relativ ähnlich, trotz erheblicher Unterschiede beim Körpergewicht.

Ähnlich verhält es sich mit den Duftrezeptoren, gewissermaßen die Erstkontaktstellen für die Moleküle des Duftstoffs: Ihre Zahl ist beim Menschen mit knapp 400 zwar deutlich geringer als bei Hunden (etwa 800) oder Ratten (etwa 1000). Dies sage aber wenig über die Empfindlichkeit und die Unterscheidungsfähigkeit des menschlichen Geruchssinns aus, betont McGann.

„Wir machen es uns zu einfach, wenn wir nur auf die bloßen Zahlen schauen“, so der Forscher, der unter anderem gesellschaftliche Gründe für die Abwertung des menschlichen Geruchssinns anführt: „Es ist eine alte kulturelle Überzeugung, dass ein vernünftiges und rationales Wesen nicht vom Geruchssinn dominiert werden darf. Geruch wurde als eine weltliche, animalische Sache angesehen.“

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