Urlaub auf der Raumstation
Völlig losgelöst

Am Anfang war das „Flutschie“. Ein Stück Plastikschlauch, gefüllt mit blauem Gel, in dem Erde, Mond und Sterne, drei Spaceshuttles, zwei Astronauten und eine Prise Silberstaub schwimmen. Eine Art Weltall-Schneekugel. Greift ein Amateur zu, glibbert einem das Ding aus den Fingern und plumpst zu Boden.

BONN. Thomas Kraus lächelt nachsichtig. In seiner Hand trotzt das „Flutschie“ der Schwerkraft. „Das war einer der ersten großen Erfolge“, sagt der 43-Jährige, „davon habe ich Tonnen verkauft.“

Das war vor ein paar Jahren, seitdem hat Thomas Kraus seinen „German Space Shop“ dem ernsthaften Kampf gegen die Schwerkraft verschrieben. Kraus bietet Flüge an die Grenze zum Weltraum an. Auch Schwerelosigkeit hat er im Angebot. Und Ferien auf der Internationalen Raumstation ISS? „Auch das ließe sich bei mir buchen“, sagt Kraus.

Abgereist zur ISS ist gestern Anousheh Ansari, die erste Frau, die ihren Urlaub im Weltraum verbringt. Eine Sojus-Kapsel bringt sie vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ins All. Morgen wird sie auf der ISS erwartet. Nach den US-Amerikanern Dennis Tito (2001) und Gregory Olsen (2005) sowie Mark Shuttleworth aus Südafrika (2002) ist sie die vierte Weltraumtouristin.

Wie die drei Männer hat Ansari bei „Space Adventures“ gebucht, Kraus’ großem Konkurrenten aus den USA. Für den Reiseveranstalter aus Bonn ist ihr Flug dennoch ein gutes Zeichen: Mit der kommerziellen Raumfahrt geht es voran. In zwei Jahren soll das erste private Raumschiff regelmäßig Flüge gen All anbieten. Ein Zukunftsmarkt wird Gegenwart.

Er zieht Millionäre ebenso an wie Abenteurer und deutsche Mittelständler. Microsoft-Gründer Paul Allen ließ ein Raumschiff bauen und kam so Amazon-Erfinder Jeff Bezos zuvor. Virgin-Eigner Richard Branson verkauft bereits Tickets für Raumflüge. Den Vertrag für den Bau des ersten Weltraumhafens hat Branson gerade abgeschlossen – mit Mexiko. Und auch Thomas Kraus in Bonn-Oberkassel ist schon gut im Geschäft (siehe Kasten: „Hoch hinaus“).

Erforscht ist der Weltraumreisemarkt längst, zumindest theoretisch. Bei EADS Space, der Weltraumtochter des europäischen Luftfahrtkonzerns, liegen Studien vor, nach denen bei einem Preis von einer Million Dollar weltweit 10 000 Kunden Raumflüge buchen würden. Bei nur noch 100 000 Dollar pro Flug wären es schon mehrere hunderttausend.

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