Forschung + Innovation
US-Abgeordnetenhaus für Stammzellenforschung

Trotz einer Vetodrohung von Präsident George W. Bush hat das US-Abgeordnetenhaus eine Förderung der embryonalen Stammzellenforschung mit öffentlichen Mitteln beschlossen.

dpa WASHINGTON. Trotz einer Vetodrohung von Präsident George W. Bush hat das US-Abgeordnetenhaus eine Förderung der embryonalen Stammzellenforschung mit öffentlichen Mitteln beschlossen.

In einem ungewöhnlichen Schritt schlugen sich nach einer emotionalen Debatte 50 Republikaner auf die Seite der Demokraten und stimmten dafür, von Bush zuvor verfügte massive Beschränkungen bei der Finanzierung aufzuheben. Außerdem verabschiedeten die Abgeordneten einen Entwurf, wonach die Forschung an Stammzellen aus dem Blut der Nabelschnur und den Körperzellen von Erwachsenen ausgeweitet werden soll.

Bush hatte bereits in der vergangenen Woche angekündigt, dass er eine Finanzierung mit öffentlichen Mitteln durch sein Veto - dem ersten seiner Präsidentschaft - blockieren wolle. Kurz vor der Abstimmung im Abgeordnetenhaus am Dienstag (Ortszeit) in Washington stellte er sich erneut den Medien und bekräftigte seinen Widerstand. An seiner Seite hatte er dabei Eltern mit Kindern, die im Embryo- Stadium adoptiert worden waren. Die Kinder trugen Schilder mit der Aufschrift „Ehemalige Embryos“.

Die Entscheidung zur Finanzierung aus der Bundeskasse, die Bush vor vier Jahren auf weniger als zwei Dutzend bereits bestehende embryonische Stammzellenkolonien beschränkt hatte, fiel mit 238 zu 194 Stimmen. Der Gesetzentwurf zur Forschungsausweitung wurde nahezu einstimmig gebilligt. Auch im Senat, der zweiten Kongresskammer, wird eine breite Mehrheit erwartet. Um ein Veto des Präsidenten zurückzuweisen, müssten 290 Stimmen im Abgeordnetenhaus zustandekommen. Das gilt allerdings als nahezu ausgeschlossen. Vor diesem Hintergrund riefen vor allem Demokraten Bush auf, gemeinsam mit dem Kongress nach einem Kompromiss zu suchen.

In der Debatte des Abgeordnetenhauses flossen sogar Tränen, als eine Reihe von Mitgliedern Fälle von Alzheimer und Parkinson bei nahen Angehörigen schilderten. Die Gesetzesbefürworter argumentieren, dass eine Stammzellenforschung entscheidend dazu beitragen könnte, diese und andere Krankheiten zu bekämpfen. Emotional und leidenschaftlich zeigten sich in der Debatte auch die Gegner mit dem republikanischen Mehrheitsführer Tom Delay an der Spitze. Er sprach mit Blick auf die Gewinnung von Stammzellen aus Embryonen von einem „Votum zur Finanzierung der Verstümmelung eines lebenden menschlichen Wesens“.

Bush selbst bekräftigte seine Forderung, nach Alternativen zur Stammzellenforschung zu suchen. „Mit dem Gesetz würde eine entscheidende Grenze der Ethik überschritten, indem neue Anreize zur Zerstörung entstehenden menschlichen Lebens gegeben werden“, warnte der Präsident vor der Abstimmung. „Das Überschreiten dieser Grenze wäre ein großer Fehler.“

Nach Umfragen unterstützt eine deutliche Mehrheit der US- Bevölkerung die Embryo-Stammzellenforschung.

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