US-Konzern Medimmune und Micromet kooperieren bei der Tumorbehandlung
Künstliche Proteine aktivieren Killerzellen gegen Krebs

Ihre enorme Zerstörungskraft macht T-Killerzellen zu wichtigen Hoffnungsträgern in der Krebsforschung. Bei der Münchner Micromet ist eine Technologie zur gezielten Aktivierung von T-Zellen inzwischen so weit vorangeschritten, dass sie klinisch getestet werden kann.

FRANKFURT. T-Killerzellen gehören zu den potentesten Waffen des Immunsystems. Spezialisiert darauf, krankhafte Zellen oder Mikroorganismen abzutöten, durchstreifen diese weißen Blutzellen zu Millionen den menschlichen Körper und bieten Schutz vor Virusinfektionen und anderen Krankheiten. Mitunter können sie ganze Organe zerstören, so etwa bei den gefürchteten Abstoßungsreaktionen gegen Transplantate. Die gezielte Aktivierung von T-Zellen ist inzwischen so weit vorangeschritten, dass sie zu den bedeutesten Entwicklungen der deutschen Biotech-Branche zählt und auch das Interesse großer amerikanischer Biotech-Konzerne findet.

So hat die US-Firma Medimmune, die Nummer fünf der US-Biotech-Industrie vor wenigen Tagen mit Micromet die gemeinsame Entwicklung von bis zu sechs so genannter Bite-Moleküle für den US-Markt vereinbart. Diese therapeutischen Proteine zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit einem Ende sehr zielgenau Krebszellen, mit ihrem anderen Ende T-Zellen binden. Sie sind nach dem Konzept der Micromet-Forscher also in der Lage, das zerstörerische Potenzial der Immunzellen spezifisch auf Tumorzellen zu lenken.

Wie die meisten Verfahren der modernen Biotech-Forschung ist auch die Bite-Technik noch Jahre von der praktischen Anwendung entfernt. Ein erstes Bite-Molekül mit der Bezeichnung „MT 103“ befindet sich derzeit in der klinischen Testphase I, bei der es vor allem um Fragen der Sicherheit und Dosisfindung geht. Ob die Substanz tatsächlich die erhoffte Wirkung beim Menschen zeigt, werden jedoch erst weitergehende Studien der Phase II zeigen, die man im kommenden Jahr aufnehmen will.

„Die bisherigen Versuche deuteten aber darauf, dass die Bite-Technik vernünftige und hochwirksame Medikamente hervorbringen könnte“, ist der Krebsspezialist und frühere Leiter der Onkologie-Sparte beim Schweizer Konzern Roche, Erich Platzer, überzeugt. Platzer gehört zugleich dem Aufsichtsrat von Micromet an. Auch Medimmune-Chef James Young sieht große Chancen für den Wirkstoff „MT 103“, etwa in der Behandlung von Lymphomen und Leukämien.

Bestätigen sich die Hoffnungen, könnte die Bite-Technik eine wichtige Ergänzung und Weiterentwicklung für die Immuntherapie gegen Krebs bieten. Dieser neuartige Ansatz wird bislang vor allem durch das seit 1997 zugelassene Medikament „Rituxan“ bestätigt, das in Deutschland unter dem Namen „Mabthera“ auf dem Markt ist. „Rituxan“ ist ein so genannter monoklonaler Antikörper, der Makrophagen – eine andere Gruppe von weißen Blutzellen – aktiviert. Dutzende weiterer Antikörpermedikamente befinden sich in Entwicklung.

Bite-Moleküle unterscheiden sich von monoklonalen Antikörpern nach Angaben von Micromet dadurch, dass sie etwa 100.000 mal wirksamer und zugleich deutlich kleiner sind. Im Erfolgsfall könnte die Technologie außerdem erhebliche Kostenvorteile gegenüber der sehr aufwendigen Produktion von Antikörpern bieten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%