US-Spaceshuttle
Teuer, unsicher, kompliziert

25 Jahre nach dem Erstflug steht der US-Spaceshuttle vor dem Aus. Nach 2010 soll das so genannte CEV (Crew Exploration Vehicle) an die Stelle des Spaceshuttles treten und die Verbindung zur Raumstation aufrechterhalten.

DÜSSELDORF. Vor wenigen Tagen erst berichtete der deutsche Astronaut Thomas Reiter in Köln voller Freude über seinen geplanten Start zur Raumstation ISS im Mai. Jetzt meldete die Nasa, dass der Flug Reiters – der sich ohnehin schon über ein Jahr verzögert hatte – mindestens noch einmal um zwei Monate verschoben werden muss. Ein Messgerät sowie drei Sensoren am Treibstofftank der Raumfähre Discovery müssen ausgetauscht werden. Außerdem gibt es Probleme mit jener Schaumstoff-Isolierung des Außentanks, die am 1. Februar 2003 schon zum Absturz der Columbia mit sieben Astronauten an Bord geführt hatte. Ein weiteres Mal wird deutlich, wie anfällig das gealterte Shuttlesystem ist.

Der Raumtransporter ist aus etwa zwei Millionen Einzelteilen zusammengesetzt und gilt als die komplizierteste Maschine, die Menschen je gebaut haben. Diese Komplexität hat dazu geführt, dass die Raumfähre alle Erwartungen, die in sie gesetzt wurden, kläglich enttäuschte.

Gebaut wurde das erste, wiederverwendbare bemannte Raumfahrzeug schließlich mit dem Ziel, die Transportkosten für Nutzlasten ins All – verglichen mit den jeweils nur ein Mal verwendbaren Raketen – um nicht weniger als 90 Prozent zu senken. Ein Start des Shuttles sollte nur noch mit 10,5 Mill. Dollar zu Buche schlagen. Eine enorme Fehlkalkulation, selbst mit eingerechnetem Währungsverfall: Heute liegen die Startkosten bei 500 Mill. Dollar.

Ähnliches gilt für die Anzahl der Shuttleflüge. Die Nasa wollte in den 80er-Jahren auf mehr als 500 Raumtransporterflüge kommen, praktisch also auf einen Start pro Woche. Tatsächlich gab es in den 25 Jahren seit dem ersten bemannten Raumtransporterflug nur 114 Einsätze – gerade einmal ein Start pro Vierteljahr. Und auch die Sicherheit des Raumfliegers blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Zwei der insgesamt fünf Raumfähren – Challenger (1986) und Columbia (2003) – stürzten ab und rissen 14 Astronauten in den Tod. Umgerechnet starb bei jedem achten Shuttleflug ein Astronaut, eine kaum zu akzeptierende Bilanz. Das Ziel, mit den Raumfähren eine zuverlässige Möglichkeit für kostengünstige, auch kommerzielle Forschung im All zu schaffen, wurde also trotz der 50 Mrd. Dollar, die bisher für Entwicklung und Betrieb ausgegeben wurden, weit verfehlt.

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