User Experience
Der unterschätzte iPhone-Faktor

Wenn es um technische Produkte geht, sind sich Konsumenten und Industrie meist einig: Praktisch müssen sie sein, das heißt benutzerfreundlich und zweckdienlich. Neuere Forschungen zeigen jedoch: Das Lustprinzip bei technischen Produkten wird regelmäßig unterschätzt. Die User Experience will das Ungreifbare wissenschaftlich messbar machen - mit überraschenden Ergebnissen.
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DÜSSELDORF. Begehrt ist häufig das, was gerade nicht praktisch ist. Beim Anblick teurer High Heels müsste beispielsweise jeder Gesundheits-Experte Magenschmerzen bekommen. Denn die Damenschuhe, für die Frauen je nach Modell auch mal mehrere hundert Euro ausgeben, sind ein Paradebeispiel für schlechte Gebrauchstauglichkeit, neudeutsch Usability: Sie erschweren nicht nur das Laufen, sondern verursachen sogar krankhafte Veränderungen des Fußskelletts sowie Muskelüberlastungen und -verkürzungen. Mit anderen Worten: Auch Dinge, die nicht gut funktionieren, können begehrt sein.

Was Frauen in die Schuhläden treibt, sind die sogenannten hedonischen Qualitäten. Die hedonische Betrachtungsweise betont Eigenschaften, die im Gegensatz zum praktischen Nutzen weniger offensichtlich sind. „Wird man mich bewundern? Wird mich das Produkt erstaunen, überraschen? Wird es mein Leben durch seine neuen Funktionen verändern?“, fasst Marc Hassenzahl, Professor für Ergonomie und Nutzererleben im Industrial Design an der Folkwang Hochschule Essen, diese weniger greifbaren Qualitäten im Gespräch mit Handelsblatt.com zusammen.

Dieses nach wissenschaftlichen Methoden zu messen, ist das Ziel der User Experience. Die relativ neue Wissenschaftsdiziplin steht bei immer mehr Produktdesignern im Mittelpunkt. Dabei geht es nicht nur um das Lustprinzip. Je moderner beispielsweise medizinische Anlagen wirken, desto besser fühlen sich die Patienten behandelt, hat eine Studie ergeben. Für das Jahr 1999 findet Googles Suchmaschine Scholar 50 wissenschaftliche Aufsätze zum Thema, 2007 waren es bereits 669.

Spätestens der Erfolg von Apples iPhone zeigt, dass Gebrauchstauglichkeit bei technischen Produkten nicht alles ist. Produktdesigner gibt es allerdings schon lange. Die Innovation im Ansatz der User Experience liegt in der wissenschaftlichen Methode. Sie versucht, Faktoren wie Freude und Schönheit in Experimenten mit wissenschaftlichen Standards zu messen. „Lange Zeit war die Meinung, dass solche Dinge wie 'Freude', 'Emotionen', 'Hedonisches' zu flüchtig, zu wenig greifbar sind, um sie systematisch in einem Produktentwicklungsprozess zu berücksichtigen. Dies ist nicht mehr so. Es gibt vielleicht noch keine perfekte Lösung, aber mehr und mehr Fachleute sind überzeugt, dass sich Ansätze finden lassen, diese Aspekte systamtisch zu berücksichtigen“, so Hassenzahl.

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