Valumedia produziert aktuelle Fernsehsendungen für Patienten
TV-Programm kommt via Satellit ins Wartezimmer

Millionen Verbraucher müssen jeden Tag warten – beim Arzt und beim Friseur, in Supermärkten und Kliniken. Künftig sollen spezielle Fernsehprogramme in Geschäften und bei Dienstleistern die Wartezeit kurzweiliger gestalten.

KÖLN. Mit einem speziellen Praxis-Fernsehsender per Satellitenausstrahlung ist jetzt die Valumedia AG auf dem Markt. In Pforzheim stellt das Unternehmen Programme für zurzeit etwa 100 Arzt- und Zahnarztpraxen zusammen, 50 weitere Praxen werden nach Auskunft der Firma zurzeit mit Empfangseinheiten ausgerüstet. „Unser Ziel ist es, mittelfristig 20.000 Arztpraxen unter Vertrag zu nehmen, das wären rund 20 Millionen Kundenkontakte pro Monat“, sagt Valumedia-Sprecherin Ursula Degen. Und auch der Vertrieb ins deutschsprachige Ausland sei geplant.

Die Idee, Patienten in Arztpraxen mit bewegten Bildern zu unterhalten und zu informieren, ist nicht neu: In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind schon mehrere Anbieter mit einem entsprechenden Geschäftsmodell aktiv. Viele bieten allerdings kein Fernsehprogramm im engeren Sinne, sondern eher Animationen auf einem Computerbildschirm – mit wenig Text und ohne Ton. So stellt die Linzer Firma y-doc in Wartezimmern Computerterminals auf, auf denen ein speziell auf die jeweilige Praxis abgestimmtes Programm auf CD-Rom läuft. Auf Sendung gehen dabei Informationen über Leistungen des Arztes, allgemeine Gesundheitsinfos und Werbebotschaften.

Untersuchungen bestätigen den so genannten „No-Escape-Faktor“, der das Wartezimmer-TV für die Werbung interessant macht. Bei einer Umfrage der österreichischen Bundeshandelsakademie Anfang des Jahres bei „Infotainment-Ärzten“ und deren Patienten gaben 72 % der Ärzte an, ihre Patienten würden Infotainment im Wartezimmer stark bis sehr stark beachten. 55 % der Ärzte halten Computer- oder TV-Terminals für das effektivste Werbemedium, vor Broschüren (19 %), Plakaten (15 %) und Inseraten (11 %). Und auch zwei Drittel der befragten Patienten bestätigten, dass sie stark auf Infotainment-Angebote achten.

Unabhängige Experten sehen ebenfalls einen Markt für das Wartezimmer-Fernsehen: „Zumindest in großen Praxen wird in Zukunft häufig ein Wartezimmer- TV-System anzutreffen sein“, sagt der Kölner Praxisberater Oliver Frielingsdorf. Er sieht allerdings mehr Chancen für Systeme mit wenig Text und ohne Ton, diese würden als weniger störend empfunden. „Außerdem bevorzugen noch viele Ärzte ein werbefreies Programm“, so Frielingsdorf.

Gerade die Werbung ist bei den meisten Angeboten aber die Voraussetzung dafür, dass den Praxen das oft sehr aufwendige Wartezimmer-TV kostenlos zur Verfügung gestellt werden kann. Valumedia setzt in seinem Geschäftsmodell beispielsweise auf eine relativ teure Übertragungstechnik. In der Sendezentrale werden die einzelnen Programme individuell zusammengestellt und dann per Satellit ausgesendet. So genannte Multimedia Terminals – spezielle Set-Top-Boxen mit eigener Festplatte – und hochauflösende Displays geben die Inhalte wieder. Falls der Empfang per Satellit nicht möglich ist, lassen sich die Daten laut Valumedia aber auch über schnelle Internetleitungen per T-DSL verschicken. Die Bild- und Tonqualität sei in jedem Fall so gut, wie es die Patienten vom Fernsehen zu Hause gewohnt sind.

Geht es nach dem Willen der Anbieter, dann sollen die Verbraucher bald auch in anderen Warte-Situationen – etwa beim Friseur – mit einem speziellen Fernseh-Programm berieselt werden. „Unser Konzept ist auf sämtliche Dienstleister übertragbar, die einen Wartebereich haben“, sagt Ursula Degen. Die Inhalte würden dann an die jeweilige Kundengruppe angepasst.

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