Verhaltensforschung
Gespräche am Steuer lenken Fahrer ab

Telefonieren am Steuer lenkt ab, selbst wenn der Fahrer ein Headset benutzt. Das ergab die Studie eines britisch-amerikanischen Forscherteams. Andere Aufgaben, die man im Auto erledigt, kollidieren dagegen nicht ganz so stark mit der visuellen Aufmerksamkeit.

DÜSSELDORF. Wie die Wissenschaftler im Magazin "Psychonomic Bulletin & Review" berichten, könnte die Ablenkung durch Telefongespräche den Bremsweg eines Autos um bis zu sechs Meter verlängern.

Die Wissenschaftler hatten Probanden vor einen Bildschirm gesetzt und ihnen eine Aufgabe gegeben, bei der sie aufmerksam sein und im richtigen Moment eine von zwei Tasten auf einer Tastatur drücken mussten. Einige der Probanden führten dabei ein Telefongespräch über Kopfhörer, während andere nicht abgelenkt wurden.

Im Schnitt reagierten die telefonierenden Probanden 212 Millisekunden langsamer als die anderen Versuchsteilnehmer. Ein Auto, das mit etwa 100 Kilometern pro Stunde unterwegs ist, bewegt sich in dieser Zeit fast sechs Meter vorwärts. Um diesen Betrag würde sich der Bremsweg eines Autos mit abgelenktem Fahrer verlängern.

"Unsere Untersuchungen zeigen, dass es nicht ausreicht, beim Telefonieren bloß die Hände frei zu haben, um die erheblichen Auswirkungen auf die visuelle Aufmerksamkeit zu vermeiden", sagt Melina Kunar von der Warwick-Universität, die Hauptautorin der Studie. "Reaktionen auf eine Konversation zu erzeugen, steht im Widerspruch mit anderen Aktivitäten, die nicht parallel ablaufen können."

Dazu gehört nach Ansicht der Forscher auch die Art von Aufmerksamkeit, die beim Autofahren nötig ist: Die schnelle Verarbeitung von Informationen aus dem Sichtfeld des Fahrers. Das führe, so Kunar, zu einem sogenannten Flaschenhals-Effekt. Die Informationen, die Augen und Gehör gleichzeitig ans Gehirn liefern, stauen sich.

Andere Aufgaben kollidieren offenbar nicht so stark mit der visuellen Aufmerksamkeit: Bloßes Zuhören etwa hatte kaum einen Effekt auf die Reaktionszeit der Testpersonen. Auch wenn die Probanden Wörter gesagt bekamen und diese wiederholen mussten, schnitten sie nicht schlechter ab als nicht abgelenkte Probanden. Wurden sie jedoch gebeten, auf eine Serie von Wörtern hin neue, passende Wörter zu finden, verschlechterte sich ihre Aufmerksamkeit dramatisch: Sie reagierten bis zu 480 Millisekunden langsamer.

Die Forscher schließen daraus, dass besonders die Verarbeitung von Gehörtem und die Notwendigkeit, darauf zu reagieren, zur Ablenkung führen.

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