Verkehr
Forscher: Mehr Aufmerksamkeit für Unfallursache Sekundenschlaf

Dem Sekundenschlaf als Unfallursache muss nach Ansicht von Experten der Fachhochschule Schmalkalden (Thüringen) dringend mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.

dpa SCHMALKALDEN. Dem Sekundenschlaf als Unfallursache muss nach Ansicht von Experten der Fachhochschule Schmalkalden (Thüringen) dringend mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Schließlich sei das kurze Einnicken des Fahrers nach Schätzungen der Deutschen Verkehrswacht Ursache für 25 Prozent aller Unfälle auf deutschen Straßen, sagte Informatik-Professor Martin Golz in einem dpa-Gespräch. Mit Detektoren, die die Fachhochschule entwickelt habe, lasse sich der Mikroschlaf innerhalb von zwei Sekunden nachweisen. „Vorhersagen lässt er sich aber leider noch nicht.“

Die Zähne beißen sich die Forscher daran aus, das „Wegnicken“ zu prognostizieren. „Die Autoindustrie hat Interesse daran, Fahrer vor dem Mikroschlaf warnen zu können.“ Golz und sein Team erforschen den Sekundenschlaf mittels Biosignalanalyse.

Laut Golz liegt die Schwierigkeit darin, dass es sich beim Mikroschlaf um einen „sehr abrupten Prozess“ handele, der sich nicht schon Minuten vorher ankündige. Je nach Tätigkeit dauert er zwischen 0,5 Sekunden beim Autofahrer und bis zu 30 Sekunden etwa bei Zugführern. „Bei Piloten wurde schon Mikroschlaf von zwei Minuten festgestellt.“

Für jeden Sekundenschlaf gilt nach Angaben des Informatikers, dass er dem Fahrer keinerlei Erholung bringe. „Ranfahren, Füße hoch und 15 Minuten schlafen, hilft mir über die Müdigkeit hinweg.“ Jeder Mensch reagiere aber anders auf Kurzschlaf. Fest stehe aber, dass Kaugummi kauen, Fenster öffnen oder ähnliche Tricks, das Problem nicht beheben. „Das alles verzögert nur die Schlafzeit.“

Jeder Fahrer müsse die Anzeichen der Müdigkeit sehr ernst nehmen. „Das hat etwas mit Verantwortungsbewusstsein zu tun.“ Dies lasse bei müden Fahrern nachweislich nach. Golz plädiert dafür, jedes Auto mit einer Black Box auszustatten, deren Daten nachweisen, dass der Fahrer zu müde war. „Alle erwarten doch, dass die anderen Fahrer nur ausgeschlafen auf die Straße gehen. Aber erwarten wir das auch von uns selbst?“

Laut Golz forschen in Deutschland nur zwei Stellen intensiv am Phänomen Sekundenschlaf: in Schmalkalden und bei Daimler-Chrysler in Ulm. Die Autoindustrie suche vor allem Systeme, um die Fahrer in ihrer Rolle zu unterstützen. Systeme wie eine Black Box, automatische Lenkungen oder Bremsungen bei Mikroschlaf träfen dort auf wenig Gegenliebe. „Das will man nicht.“

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